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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 196

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 196 (sequence 34)
Language
German
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196 Viktor Ch. Arlosoroff: Ketzerforderungen. Die Frage der geistigen Produktivität <und produktiven Rezeption) dagegen wird die hebräische Jugendbewegung ohne Schwierigkeiten überwinden können. Da, wo heute Gefahren der Verfälschung und der Absplitterung bestehen und diese Gefahren bestehen heute auch noch in Palästina überall, wo Menschen nicht aus, aber in fremden Kulturen zu uns kommen —; werden sie besiegt werden. Denn die hebräische Welle, die die jüdische Jugend mittragen wird, wird allen Schlamm, allen Schmutz, alles Dunkle mit sich reißen und läutern auf ihrem tiefen Grunde. Die hebräische Jugendbewegung wird sich ohne weiteres kulturell ein* ordnen können in das Werdende — denn ihr wird gar keine andere Einordnung möglich sein. Jede Farbe, die hinzugewirkt wird am Teppich unserer hebräischen Kultur, wird sie mitempfinden, jede Regung, die hinzuwirken, die aus neuer, eigener Kraft mitschaffen will, wird sie fördern, mit jener stillen, leuchtenden Begeisterung, die ihr Ideal erlebt hat. Dann aber, wenn wir von neuem schöpferisch geworden sind, wenn unsere Schaffenskraft das ganze Leben umfaßt, wenn das ganze Leben, das neue Dasein der Nation gebaut werden wird von der Hand und dem Geist jüdischer Jugend, dann — und nur dann wird ein neues Geschlecht aufstehen im Lande, ein Geschlecht jüdischer Jugend, dem alles Nationale und alles Menschliche so fest zu einer inneren harmonischen Einheit verschmolzen ist, wie jedem in natürlichen Lebensbedingungen seienden und schaffenden Menschen. Dieses Geschlecht, das hoffen wir, wird stark sein an menschlichen und menschlichsten Kräften, wird reich sein an menschlichem und menschlichstem Erleben, wird aus großer Kraft und reichem Erleben weiterbauen am Dome der Menschheit, an dem seiner Türme, der vom Weltenschicksal unserem Volke anvertraut wurde. Unser Wegdahin ist weit und schwer. Unsagbar schwer — und des* halb unsagbar schön und einer kämpfenden Tugend würdig. Wir müssen ihn gehen. Noch haben sich in der deutsch~jüdischen Jugend erst ganz, fanz schwache Kräfte geregt, die nach diesem Weg deuten. Die große /[enge aber, und selbst die, die dem Namen nach zu uns gehört, läuft in Halbheit und Gedankenlosigkeit halben und fremden Zielen nach. Ich hörte einmal das richtige Wort: Unsere Jugendbewegung muß auf* hören, der jüdische Flügel der deutschen Jugendbewegung zu sein — sie muß der deutsche <d. h. nur seiner Herkunft nach gesonderte) Flügel der jüdischen Jugendbewegung werden. Der jüdischen Jugendbewegung, die in leidenschaftlichster Parteilichkeit, mit ethischer Politik, durch Ganzheit ihrer Tat, zustößt auf ihre beiden Ziele: Erneuerung der hebräischen Kultur und Erneuerung des jüdischen Volkes im jüdischen Lande. Vor allem aber — ehe wir die alten Tafeln der Alten zerbrechen —* müssen wir erweisen, daß über unseren neuen Tafeln »Erfüllung« steht. Bevor wir gegen den Baal der Anderen kämpfen, müssen wir den Baal in unserer Mitte besiegt haben. Den Baal der Halbheit und des Egoismus, der Feigheit und ^er Bequemlichkeit, der noch in uns ist. Berlin^Schöneberg. Viktor Ch. Arlosoroff.

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