Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 195 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Ketzerforderungen. 195 Palästina erst der Zionismus beginnt. Denn nicht das ist zionistischwesentlidi, daß man nach Palästina geht, sondern wie man nach Palästina geht, wie man sich in das wachsende, lebende Palästina hineinstellt und welches Ziel man ihm setzt. Und auch hier herrscht noch wenig Klarheit. Diejenigen, die es hier an jeder geistigen Vorbereitung fehlen lassen, weil sie glauben, daß sie in Palästina ein kulturelles Schlaraffenland vorfinden, ein fix und fertiges, ausgebautes, stark untermauertes Kulturmilieu, in das sie nur hineinzuwachsen bfaudien <— und das geschieht ja in Paris und London leicht in sechs Monaten,- — diejenigen, die hier in der galuth-jüdischen Unproduktivität als Kaufleute und Intelligenzproletarier existieren und glauben, daß sie in Palästina diese Existenz weiterfuhren können und dabei das »nationale Leben« fördern helfen ~~ in anderen Ländern gibt es ja gar kein solches Problem *~alle die, die so leben und das glauben, werden enttäuscht werden. Das soll ohne Scheu gesagt werden. Sie werden enttäuscht werden und in ihrer Enttäuschung zerbrechen, wie viele vor ihnen enttäuscht wurden und zerbrachen. Jeder, der die Geschichte des Jischuw gut kennt, kennt neben den Helden auch die Märtyrer dieses Schlages, die in Palästina ihren Idealismus verloren haben. Nein, wir dürfen nicht zum Lande kommen und von ihm fordern, es solle uns stark machen, es solle uns gesund machen, es solle uns ganz machen. Wir müssen zum Lande kommen und ihm geben, alle Kraft, deren unsere Seele fähig ist —' da werden wir stark und gesund und ganz werden. Ein Ziel müssen wir dem Lande setzen: Palästina muß jüdisch-schöpferisch werden. Das ist das Problem, ein Problem von so umfassender Bedeutung, daß es in der hier ziemlichen Beschränkung höchstens angedeutet werden kann. Das jüdische Volk hat im Laufe der Jahrtausende der Verbannung seine ursprüngliche Schöpferkraft verloren. Die letzte Bewegung, die die originale jüdische Produktivität wie eine erlöschende Glut aufflackern ließ, ist der Urchassidismus. Die letzte Bewegung, die zurückfuhren will, die einen neuen Weg sucht zur jüdischen Produktivität ist der Zionismus. Die Gegenwart ist ohne jüdisch Schöpferisches. Ist nicht das Gemälde, das der Führer der palästinensischen »Hapoel*Hazair«-Pioniere, A. D. Gordon, von unserem Galuthleben entwirft, in seiner ganzen Unfaßbarkeit wahr: »Ein Volk, das ganz von der schöpferischen Natur losgerissen ist, das jahrtausendelang in Mauern eingepreßt war , ein Volk, das an alle Arten des Lebens gewöhnt ist, nur nicht an eine natürliche, an ein Leben des Schaffens aus sich heraus und für sich . . . .« Wir müssen zurück. Wir müssen von neuem die echte, erdverbundene, wurzelstarke Arbeit kennen, wir müssen uns von neuem durchringen zu der Quelle alles Schaffens, zum heimatlichen Boden. Wir müssen das Galuth und seine Erscheinungsformen: den Rationalismus, die Wortleidenschaft, das Genießertum, die Vermittlerseele und ^Seligkeit von uns tun — jeder Mensch der jüdischen Jugendbewegung muß wissen, daß mit dem Augenblick, wo er palästinensischen Böden tritt, ein. neues, schöpferisches Leben für ihn beginnt.