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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 194

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 194 (sequence 32)
Language
German
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194 Viktor Ch. Arlosoroff: tum gegeben ist. Mir ist Dehmel im Hebräischen tausend* und aber tausendmal näher, menschlicher, größer, seelisch gestaltender, jüdischer als Bialik in der deutschen Übersetzung, obwohl Bialik unser Dichter ist. Und sollte das verwunderlich scheinen? Wundert sich denn jemand darüber,, daß einem Deutschen <der beide Sprachen gleich gut beherrscht) Shakespeare in einer Übersetzung* deutscher erscheint und deutscher ist als Goethein einer noch so guten englischen Fassung? Das alles ist mehr als natürlich, ^ber bei uns wird ja alles Natürliche durch gewollte Natürlichkeit in wähl* loser Nachäffung entstellt. Bei uns gilt ja auch nur das als natürlich was freideutsch natürlich ist. Selbstverständlich ist, daß wir nicht daran glauben im Galuth mehr als ein Surrogat vollnationalen Lebens zu schaffen — aber jeder Einzelne kann und muß, eben als Einzelner, sich umstellen, sich hineinstellen aus jedem andern in den hebräischen Kulturkreis. Das ist auf das individuell*kul* turelle übertragen das »Primat des Judentums«.* Er gewinnt zu der äußeren Form der Sprache seines Denkens und Fühlens die innere wesentliche Form für sein Denken und Fühlen, den inneren nationalen Rhythmus; der in jedem natürlich vollen Menschen pulsiert. Er lernt alles an dem Maß jüdisch lebendiger Werte messen. Er bekommt das wahre Bewußtsein der geschichtlichen Kontinuität des Judentums. Wer die »Klagelieder Jeremias« von vor achtzehnhundert Jahren, Jehuda Halevis »Zioniden« von vor achthundert Jahren erlebt hat und seine eigene unendliche Sehnsucht mit ihnen, dieselbe Sehnsucht nach Erneuerung der alten Freiheit und mensch* liehen Größe, dieselbe Sehnsucht nach reinem und vollem Leben,- wer den ersten Jesaia, den großen Mahner empfunden hat und daneben Bialiks »Dawar« und »Kir'u Lan' chaschim«, dieselben Flammenfackeln schleu* dernd gegen dasselbe träge Volk — der wird in sich die Jahrtausende sich verdichten fühlen zu einem einzigen, seinem eigenen, auf ihm lastenden nach Erlösung lechzenden Schicksal. Einer Jugend, die solchermaßen im Hebräischen Menschentum und Juden* tum, alles Menschentum und alles Judentum findet, wird auch unsere zweite große Forderung: Palästina als natürlich und für jeden Ein* zelnen unausweichlich sich darstellen. Sie wird fühlen, daß es keine Scheidung gibt zwischen Nationaljudentum schlechthin und Zionismus, daß es über* haupt kein nationales Judentum, überhaupt kein Judentum ohne Zion gibt,- sie wird jede Assimilation, in allen ihren Schattierungen vom Berliner Kur* fürstendamm bis zum Warschaüer und Wilnaer »Kulturzentrum« von sich weisen, um des jüdischen und des menschlichen Zieles willen, das in ihr ist. Jeder junge Mensch dieser Jugendbewegung wird fühlen, daß es eine Schmach ist, was Herzl von den Protestrabbinern gesagt hat, was aber auch für die meisten Zionisten der vorigen Generation zutrifft, daß sie nämlich unter Zion alles andere verstehen nur nicht eben Zion. Er wird wissen, daß der Übergang nach. Palästina . die erste Selbstverständlich* keit des jugendlichen Zionismus ist, daß mit dem Übergang nach * Dem aber, »Der erfüllt, offnen sich neue ungeahnte, unerklärliche, unübertragbare Weiten der Menschlichkeit und des Judentums.«

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