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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 193

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 193 (sequence 31)
Language
German
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Ketzerforderungen. 193 dem Punkt angelangt, daß wir uns vom »Zweckverband« erlösen lassen können, im sogenannten Allgemein^Menschlichen versinken und mitleidig auf die »beschränkten Chauvinisten« herabblicken können, die ewig ihre engen Formeln wiederkäuen? Ist es nicht vielmehr die Aufgabe einer Jugendbewegung ihre Unbedingtheit, ihren Revolutionsgeist, ihre Verantwortung vor der Zukunft dadurch zu dokumentieren, daß sie mit dieser conditio sine qua non Ernst macht? Oberhaupt ist in den Reihen der deutsch^jüdischen Jugend die wahre/- ihrem Sinn nach wesentliche hebräische Forderung noch nicht einmal aus* gesprochen, geschweige denn erfüllt worden. Man hat sich mit Posaunen^ nymnen der Lobpreisung in jeder Tonart begnügt. Und es ist noch nie gesagt worden: Das Hebräische ist uns kein Selbstzweck. Wir wollen nicht hebräisch sprechen lernen. Das ist nebensächlich. Das lernen alle Kindergärtnerinnen in Palästina innerhalb von sechs Monaten <und ver* derben in ihrem »Unterricht« den Geist der Sprache). Wir wollen nicht hebräisch, damit wir uns mit kaukasischen Bergjuden unterhalten können. Diese Fälle sollen nicht zu den Alltäglichkeiten gehören. Nicht, einmal um die »Tiqua«, bisher unverstanden gesungen, ihren Worten nach zu begreifen. Hebräisch ist uns in erst er Linie Mittel: Der Schlüssel zu dem uns siebenfach verschlossenen Tor unserer großen nationalen Kultur. Darin, daß man sich bei uns noch gar nicht klar geworden ist, was das bedeutet, ist vielleicht der Grund dafür zu suchen, daß unsere Jugendbewegung in dieser Beziehung jedem Tieferdenkenden so oberflächlich, so nur*ruhmrednerisch erscheinen muß. Es bedeutet, für ein schwer Werk ein einfach Wort, eine vollständige geistige Umstellung, die manchem vielleicht unerreichbar scheint. Daß sie möglich ist, bezeugen alle die westjüdisch Erzogenen, in denen sich die Wandlung vollzogen hat, die heute geistig und gefühlsmäßig im Hebräischen leben. Stark empfinde ich es bei Hugo Bergmann, wenigstens soweit ich ihn nach dem, was er geschrieben hat, beurteilen kann. Das bezeugen alle die, denen die hebräische Literatur ein großes Maß menschlicher und nationaler Werte vermittelt hat. Wir können nicht anders als lächeln, wenn man sagt, daß es für uns heißt, auch nur auf einen Deut Menschlichkeit und menschlichen Wertes verzichten. Es heißt nur, daß wir jeden menschlichen Wert erleben, aber ihn hebräisch, das ist jüdisch, erleben wollen, daß wir — soweit es im Galuth überhaupt möglich ist —* jenen natürlichen inneren Zustand herzustellen bemüht sind, der innerhalb gesund lebender Völker durch das Leben einerseits und durch die bewußt nationale Erziehung andrerseits a priori gegeben ist,- daß eben alles, alles, was aufgenommen wird, durch das Medium des Nationalen aufgenommen wird. Nicht darum, weil es national <i. e. patriotisch) ist, sondern weil es durch die Formung in unserm Geist auf uns menschlich näher, seelisch unmittelbarer wirkt, weil erst aus dieser Synthese von menschlichem Inhalt und nationaler innerer und äußerer Form das reine und volle Menschen-

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