Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 192 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Viktor Ch. Arlosoroff: sich gerade in den letzten Jahren eine mächtige Tugendbewegung fühlbar. In Rußland findet sie ihren organisatorischen Ausdruck in der großen Zei're-Zion-Bewegun?, die schon vor etwa einem Jahre, dem Zeitpunkt ihrer ersten großen Konferenz, über vierzigtausend Menschen umfaßte. In Amerika, in Kußland, teilweise auch in Polen gibt es eine stetig anschwellende »Hechaluz«-Bewegung, die aller sofort tatbereiten Pionierelemente in sich konzentriert. So ist doch die Aufgabe der deutsch-jüdischen Jugend* bewegung ganz klar vorgezeichnet. Sie muß sich bestreben, eins zu werden mit dieser umfassenden Jugendbewegung, ein Glied.dieser Jagendbewegung zu werden, das zum mindesten an Tatwillen und Intensität der Arbeit auf das Ziel hin hinter niemandem zurücksteht. Aus der deutsch-jüdisehen, der russisch-Jüdischen, der amerikanisch-jüdischen Jugendbewegung muß die allweltliche jüdische Jugendbewegung erstehen. Selbstverständlich soll nicht geleugnet werden, daß die ostjüdische Lage eine intensive und starke Jugendbewegung erleichtert. Der westjüdischen Jugendbewegung ist der erheblich schwerere <und darum nur noch höhere und schönere) Teil beim Werk des Sich-Bereitens zugefallen. Aber demgegenüber muß heute ohne Scheu festgestellt werden, daß sich in dieser westjüdischen Jugendbewegung, wenigstens soweit es ihren deutschen Teil betrifft, kaum die schwächsten Kräfte regen, kaum die ersteht Ansätze vorhanden sind <das trifft auf alle Organisationen>,vdie ihren Willen wirklich über das Bekenntnis hinaus auf das Ziel konzentrieren. Das wird sich allerdings nicht ändern, nicht ändern können, bis die deutsch-jüdische Jugendbewegung in allen ihren Gruppen und Schattierungen sich in die Formen der jüdisch-nationalen Kultur geschlossen hat, die ein gesundes Volkstum a priori, das ostjüdische Pseudonationalleben dennoch teilweise besitzt. »Nationale Gebilde«, sagt Micha Jossef Berdyczewski, der große Lehrer der kommenden Generation, »sind als solche begrenzt: sie bestehen nur durch die Formen, die sie sich gesetzt haben und fallen, wenn diese Formen niedergerissen worden sind«. Die deutschjüdische Jugendbewegung hat bisher keine solchen eigenformhaften Abgrenzungen der Assimilationskultur gegenüber gehabt, vor allem nicht die Urform aller nationalen Kultur, die eigene Sprache. Und so ist denn die erste Forderung, die an eine deutsch-jüdische Jugendbewegung gerichtet werden muß, damit sie überhaupt sich einstellen kann in die Gesamtbewegung der jüdischen Jugend, die Forderung derHebraisierung. Bs ist seit mehr als zwanzig Jahren Sitte über diese Forderung als über eine Selbstverständlichkeit zu lächeln, die sich einer Erörterung gar nicht mehr verlohnt. Wie?! Partirin ut montes, nascitur ridiculus mus?! Seit über zwanzig Jahren steht die Phrase von der hebräischen Sprache als unserer Nationalsprache in jedem jungjüdischen Programm. Vom ersten Zionistenkongreß bis zum Entwurf von Bernfelds Bundesprogramm, in dem es wieder klar und deutlich heißt: Die Sprache des Bundes ist hebräisch. Noch nie hat eine Organisation in Deutschland Ernst gemacht mit ihrem Postulat. Sind wir da schon auf