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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 191

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 191 (sequence 29)
Language
German
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Ketzerforderungen. 191 von heute, können und dürfen uns aber nicht »zweckbefreit ausleben«, wir müssen, im höchsten Sinne natürlich, einem Zweck nachstreben, dem nämlich : den Aufgaben, die der jüdischen Nation im Kampf um ihre völkische Zukunft erstehen, gerecht zu werden — wenn anders wir nicht überhaupt auf eine Teilnahme an der Gestaltung des Volksschicksals verzichten wollen. Das ist es. Zwischen der jüdischen Jugendbewegung und allen anderen europäischen besteht ein qualitativer Unterschied. Die anderen Jugendschaften, die im natürlichen Besitz aller der Werte sind, die die Synthese Menschentum*Volkstum ergeben, können bis ins Extrem auf jeden Zweck verzichten, ihre reine und gesunde Menschlichkeit voll ausleben. Wir dürfen nicht einen Augenblick lang vergessen, daß wir uns im »ver* schärften Belagerungszustand« befinden. Da ist jeder ein Verräter, der auf anderes als Verteidigung und Sieg sinnt. Das ist kein Zweckverband mehr <för Blüher sicher nicht, nur für die jüdischen »Blüherianer«), sondern ein großes Heerlager, das in reinster Hingebung für die Idee seines Volkstums streitet. Und jeder Kampf fordert leidenschaftliche Parteinahme. Ja, die jüdische Jugendbewegung muß Partei ergreifen, muß ganz einseitig, fanatisch — andere sollen es eng nennen <-* Partei ergreifen. Achtzigjährige Greise mögen in ihrer Alliebe alles umfassen wollen — wir müssen kämpfen ~- für alles, was unser ist, wider alles, was nicht mit uns ist. Gerade das ist es ja was wir an der »Politik der Alten, der Bürger, der »Onkeln^ bekämpfen, daß sie nicht eindeutig, nicht unbedingt, nicht revo* lutionär, nicht ideell genug Partei ergreift. So müssen wir dem unsere Parteinahme und unsere Politik entgegensetzen: eine Politik der Ganzheit, eine Politik der Verwirklichung des Geistes, eine Politik der Produktivität. Die »Alten» wollen ihre Politik durch AgitationsVersammlungen, durch Kinopropaganda, durch Vortrags* kultür, durch Diplomatenverträge erreichen. Dazu bilden sie ihre V. J. O. IX, wo James Simon zusammen mit Häntke für das sogenannte Wohl der sogenannten selbständigen jüdischen Kultur zu sorgen sich bemüht, dazut hält Heinrich" Löwe in allen Lichtspielen seinen »begleitenden Vortrag«, wo er die Juden im Namen ihres deutschen Patriotismus auffordert, Zionisfen zu werden. Das alles aber muß die Jugend empören. Dem allen aber muß die Jugend ihre Bewegung entgegensetzen. Sie kann nicht durch Propaganda, durch Werbedienst wirken, sie wirkt einzig und allein durch die Ganzheit ihres Beispiels, durch alle Energien, die sie aus sich selbst heraus gestaltet, durch alle Werte, die sie aus sich selbst heraus gebiert, durch die Stoßkraft, die sie auf ihr Ziel zu besitzt. Vor dieser Politik muß alles »Alte« verblassen. Aber auf diese »Politik«, das heiß auf das Streben des Volkes Leben, in diesem ihren Sinne zu gestalten, kann die jüdische Jugendbewegung nicht verzichten. Die jüdische Jugend^ bewegtfng muß parteiisch <im höchsten Sinne) und politisch <im höchsten Sinne) sein. 1 Letzten Endes ist doch die deutsch^jüdische Jugendbewegung nicht die erste innerhalb unseres Nationalismus. Auf der ganzen Welt, vor allem in den Ländern, wo es größere Massen des jüdischen Volkes gibt, macht

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