Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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190 Viktor Ch. Arlosocoff: eben, daß auf ihren Schultern die Zukunft ruht Dies erhöhte Be* wußtsein der Verantwortung vor der Zukunft, das die Jugend besitzt, ist das Dritte. Wie nun aber wirken die Energien dieser Attribute im Volke sidi aus und werden Bewegung? Und wie müssen sie sich in der deutschjüdischen Jugend auswirken, daß sie Bewegung werden? In einem gesunden Volke ist die Sachlage eine überaus einfache: die Synthese von Menschentum und Volkstum, von Inhalt einerseits und Form und Art seiner Gestaltung andrerseits a priori gegeben. Alles was der Franzose, der Deutsche, der Russe an menschlichen Werten schafft, wie er es schafft, hat die Form des Nationalen, an dem es gemessen ist. Da baut sich jeder Mensch der Jugend das Leben, das Tun, das am meisten seiner Art entspricht. Einen Kampf um die nationale Selbsten hältung gibt es nicht, außer in den Zeiten katastrophaler Völkerreibungen. So findet der eine seine Befriedigung in der Arbeit an der gesellschafi> liehen Gesundung des Volkes — die soziale Bewegung zeugt davon. Der zweite strebt nach irgend einem anderen Ideal lebensreformerischer Natur die Geschichte der Wandervogelbewegung, der freireligiösen Gemeinde, der Vegetarismus weiß davon zu erzählen. Der Dritte sieht in der Er^ Ziehung und Entwicklung seines eigenen Ichs, seiner Fähigkeiten das erstrebenswerte Ziel. Überall bildet die Jugend natürlicherweise das Heer für jede lebensvertiefende Idee, überall strömen menschliche Gesundungs* gedanken aus der Jugendbewegung. Was bedeutet es aber, wenn wir die Grundlagen und Lehren aus diesen gesund*nationalen Jugendbewegungen ganz oder teilweise — wie es in letzter Zeit immer häufiger geschieht ~* auf die jüdische, »hungernationalistische« Jugendbewegung übertragen? Heißt das nicht die Einzige artigkeit unserer Lage um eines Prinzips willen vollkommen verkennen und die Forderungen, die aus dieser Einzigartigkeit für eine jüdische Jugendbewegung entspringen, dadurch vernachlässigen? Das jüdische Volk ist gerade mit unserer Generation in eine ent* scheidende Phase seines Kampfes um nationale Selbsterhaltüng eingetreten* Auf der einen Seite droht durch die Sprengung des einheitlichen russisch* jüdischen kulturell^sozialen Blockes eine überaus gefährliche Schwächung unserer geistigen und. wirtschaftlichen Volkskraft, ist in Westeuropa die nationale Not der Juden aufs höchste gestiegen. Auf der anderen Seite ist die äußere und in gewissem Maß die innere Konstellation einer radi* . kalen Lösung unserer volkstumsfragen günstig. Mit der ganzen Nation steht die jüdische Jugend am Scheidewege: nostra res agitur. Sein oder Nichtsein ist wieder einmal die Frage, auf die schon die kommenden Jahr* zehnte eine unzweideutige Antwort geben müssen. Da gibt es nur eines. Alle Kräfte müssen angespannt, alle Energien müssen Eingesetzt werden, um das jüdische Volk einer ganzen und gesunden Zukunft entgegen zu führen. Da ist es tragisch und lächerlich zugleich, wenn bei uns Stimmen laut werden, die Loslösung der Jugend vom »Zweckverband« <den For* derungen Blühers parallel) postulieren. Die freideutsche Jugend lehnt den »Zweckverband« ab *~ sie kann ihn. ablehnen. Wir, die jüdische Jugend