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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 189 (sequence 27)
Language
German
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Viktor Ch. Arlosoroff:-Ketzerforderungen. 189 sondern nur die vollständige Geschlossenheit in sich und Harmonie, Darum muß uns alles dienen, was uns der Einheit näher zu bringen vermag. * * * Zum Schluß noch: Ich weiß es, daß Worte nutzlos sind im Grunde. Daß sie nicht die Dinge sind und nicht die Gefühle, sondern nur Symbole, die irgendwie andeuten. Unbestimmt, mißverständlich meist und mißverstanden. Daß sowie bei irgend einem physischen Schmerz nur derjenige ihn versteht, der ihn erlebt hat, es auch bei Erscheinungen der Seele ist. .Daß der den Skeptizismus z. B. nicht versteht, der ihn nicht erlebt hat, ja daß man sogar Selbsterlebtes nicht versteht, falls nicht noch zumindest ein Teilchen davon in uns lebendig ist. Daß also die Worte unverstanden und hohltönend vorübergehn an ihm, dem sie nicht irgendwie Erlebnis sind,- so Abgeschlossene sind wir und auf uns Beschränkte. Dennoch aber haben sie einen Wert: Sie können zur Klärung bringen, was unklar in uns ist und helfen, daß es nicht verschüttet wird vom Schutt des Alltags. Sie können Wegweiser sein für Suchende. Sie können helfen Wege zu finden, die in uns liegen und von uns schon irgendwie beschritten wurden. Und so sind auch diese meine Worte gemeint. Isak Grünberg. Ketzerforderungen. <Gedanken zu einer deutsch^jüdischen Jugendbewegung.) Drei Attribute, die im Verhältnis engster psychologischer Verknüffung zueinanderstehen, scheinen mir wesentlich zu sein für das, was das ugendliche schlechthin zu nennen ist. Das erste ist das Unbedingt^ sein. Der junge Mensch, der sich noch nicht wundgestoßen, zerschlagen hat an den Kompromissen des Daseins, der die blutheiße Wirklichkeit als Aufgabe, nicht als Last sieht, erfaßt die Ganzheit einer Idee und fordert die Ganzheit ihrer Verwirklichung. Er bejaht sie ohne ein Aber. Unbe* kümmert um das verständnislose Staunen der Philister, in fanatischer Eindeutigkeit fordert er — und erfüllt er. Aber er erkennt bald seinen Schaffenskreis als verstrickt in tausend Lügen, gerichtet von ohnmächtigen Altersschwachen <und wenn sie nur fünfunddreißig sind)/ eingezwängt in tausend Klauseln und Notwendigkeitsrücksichten, und aus seinem heißen Herzen quillt ein unbezähmbarer Drang sich aufzulehnen, aufzustehen, um das Alte, Verfaulte, Gemächliche niederzureißen, um dem neuen ver sacrum freie ßahn zu machen. Das ist das Revolutionäre der Jugend. Und warum das alles? Weil die Jugend, die mit den Gewalten in sich und um sich abrechnet, diese Gewalten beherrschen will, weil sie weiß, daß sie sie beherrschen muß, daß ihr das Leben nicht etwas Gegebenes, äst, das sie hinzunehmen und mit dem sie sich abzufinden hat, sondern zu dessen Gestaltung und Entwicklung sie sich berufen und auserwählt fühlt. Sie kennt keinen Fatalismus und keine Gleichgültigkeit, sie glaubt an eine Gestaltung des Lebens nach der Idee, nach dem Geist, sie weiß

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