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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 188 (sequence 26)
Language
German
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188 Isak Grünberg: Gedanken. der andere am Verzichten. Weit eher ist sogar das letztere der Fall. Warum soll man, da doch* alle Genüsse nichtig sind, um ihretwillen Böses tun und Leid zufügen. Andrerseits ist doch weder Gerechtigkeit noch Wahrheit auf dieser Stufe etwas Entgiltiges, da dies alles nur Sinn hat in der Beschränktheit des menschlichen Lebens, dem doch im besten Falle noch das Nichtsein vorzuziehen wäre. Hier aber stehen wir schon am Scheidewege: Das Bewußtsein der Nichtigkeit der menschlichen Dinge einerseits. Andrerseits die Erinnerung an Momente einer ganz hervorragend gesteigerten Bewußtseinserfülltheit, in denen man versunken in sich in Verbindung mit der Allheit trat und Ewigkeit in sich tragend die Einzel* dinge als Ausfluß eben dieser Ewigkeit greifbar empfand. Diese weisen auf eine Einheit hin hinter aller Vielfältigkeit, in Hinblick auf welcher die Vielfältigkeit nicht mehr sinnlos, sondern bedeutend und sinnvoll geordnet erscheint. Der Tod, der auf der zweiten Stufe etwas Grauenhaftes war, da er das Seiende dem Nichts zuführt und was gewesen für ewige Zeiten auslöscht, ist hier die Erlösung aus der Beschränkung des Körpers, erweitert nun das begrenzte Individuum zur Unendlichkeit des Alls. Verschieden sind die Wege zu dieser Einheit, verschieden ihre Namen. Durch mathematische Beweise will sie Spinoza eindeutig festlegen: Eins sind Gott und Natur und alle Dinge sind ihre Daseinsarten. Dem Menschen fällt es zu, sich von den Leidenschaften, die ihn in die Irre führen, soweit als möglich zu befreien. So wird das Zufällige aus dem Leben entfernt und der in die Welt gesetzte Mensch vollendet in gerader Linie den Weg auf das ihm festgesetzte Ziel. Das ist, weil verstanaesmäßig festgelegt, ein Minimalprogramm, wenn ich so sagen darf, das auch dem reinen Verstände zugänglich sein soll. Doch bleibt auch dies lediglich Abstraktion, sofern es nicht ähnlich von uns erlebt wurde. Anders stellt sich der Brahmanische Purun Blagat aus Kiplings «Neuem Dschungelbuch« in die Allheit ein. Indem er seine Ministerstelle niederlegt, Samujasi wird' und sich irgendwo in der Wildnis niederläßt und Bruder wird von Tier und Fels, kehrt er in die Einheit zurück, aus der der Mensch fiel, als er sündigte. Anders wieder und unendlich tief erscheint die Einheit in dem »Taate^ king« des Laotse und eine ganz gefühlsmäßige Einstellung zum Unend* liehen finden wir in den »Bekenntnissen des heiligen Augustinus«, dessen Lektüre eben jetzt alle diese Gedanken in mir wieder lebendig gemacht hat. Hier soll auch —' wiewohl man Nahes mit Fernem nicht messen sollte ~ auch Bubers Daniel erwähnt sein, der der Vielfältigkeit der Welt seine Einheit entgegenstellt, in welcher jene zusammenfließt und zur Erfüllung kommt. * * * Das Streben nach Einheit ist das wichtigste Streben, denn es umfaßt alles andere. Wer die Einheit besitzt,- dem ordnen sich alle Dinge von selbst, wenn wir unter Einheit selbst nichts außerhalb der Welt verstehen wollten,

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