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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 187

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 187 (sequence 25)
Language
German
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Gedanken. 187 nicht rühren. »Das ist eben so,« sagen sie in Hinblick auf Staat, Schule, Politik u. a., als wäre es von Gott so gemacht. Oder oft glauben sie auch an Gott, an einen Gott, der sie des Denkens überhebt und alle Zweifel im Keime erstickt So streben sie auch nach Glück und Genuß als dem Zweck ihres .Lebens. Wir sehen, wie das, was beim Jugendlichen schön und liebenswürdig war, zur abstoßenden Lüdigkeit beim Erwachsenen wirc^ Ich will in der Entwicklung meines jungen Menschen fortfahren. Die Erfahrung des fortschreitenden Alters zerstört also> wie gesagtf den Glauben an das Märchen. Man sieht die Realität der Dinge und gewinnt einen Einblick in ihre Nichtigkeit. Man erfährt die Unendlichkeit, zuerst als etwas Erschreckendes, sieht das Unverhältnis^zwischen menschlichen Dingen und der Unendlichkeit des Alls. Man wächst über die Erscheinungen des Lebens hinaus, wägt sie, beurteilt sie und befindet sie für zu leicht. Man sieht, daß die »Freundschaft falsch sei und die Liebe nur Träumen«. Und vor allem, daß was man als Sinn des Lebens empfand, Glück und. Freude, in der Wirklichkeit gar nicht vorhanden sei. Daß alle Einrichtungen der Menschen nur .Umschweife sind, um das grausige Nichts dem Blick zu verhüllen. Daß der Werte viele sind, aber wenig, wenig des Sinns und des Seins. Das ist die Zeit des Skeptizismus, das wohl wenigen Strebenden erspart bleibt. Viele, sehr viele bleiben ihr Leben lang in ihm. Den meisten bleibt er zumindest — eingestanden oder uneingestanden — bestimmend für ihre Weltauffassung. Der Skeptiker kann verschiedene Wege der Lebensführung einschlagen. Von denen — es sind nicht wenige — die Selbstmord begehen oder wahnsinnig werden — will ich nicht reden. Und im allgemeinen ist es ja klar, daß wer nichts glaubt, also etwas Negatives, nicht nach Bestimmtem sein Leben zu ordnen vermag. Oft versucht er, da er die Nichtigkeit sieht, allen Ernst zu vermeiden — da doch alles gleich sei — und in Spässen und Scherzen, die ihm selbst seine bittere Weisheit verhüllen, das Ende zu erwarten. Dieser Art ist Claude Filliers »Onkel Benjamin«. So etwa könnte man auch die »Schildbürger« verstehen. Ein anderer Weg, der auf die Vereinfachung geht, ist das »Zurück zur Natur«. Diese beiden aber lassen sich schwer durchführen. So tritt gewöhnlich ein Drittes ein: Da kein Absolutes da ist, an das man glauben könnte, begnügt man sich eben mit Relativem. Man ergötzt sich an den Dingen mit dem ganzen Bewußtsein ihrer Nichtigkeit im Herzen. Man spottet über die »lachende, sinnlose Vielfältigkeit« an einem Frühlingstag etwa, wenn man §ut gestimmt ist und empfindet Verzweiflung der Leere an der »vielfältigen innlosigkeit«, wenn man trübselig ist. Etwas Derartiges ist der Weg des Horazischen »Corpe diem« und der mäßige Lebensgenuß, den der »Koheleth« empfiehlt. Darüber hinaus gibt es eine dritte Stufe, die ich eben erst zu ahnen beginne. Und weil ich sie erstrebe und noch ein Suchender bin und Wegweisung erfahre, will ich mich anderen, denen es ähnlich gehen mag, mitteilen. Auf der zweiten Stufe war kein Sinn des Lebens. Man lebte vielmehr die Sinnlosigkeit auf' möglichst angenehme Weise. Solcher Skeptizismus schließt dabei die Ethik nicht aus. Der eine hat eben Freude am Genießen,

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