Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 181 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Axiome zur jüdischen Gemeinschaft. 181 ist Symbol unserer asiatischen Vergangenheit. Und mehr noch als Symbol: es ist Wegweiser. Es weist uns den Weg in die Heimat unseres Geistes, der ein Teil ist des großen Geistes Asiens, der einheitlich ist, trotz aller scheinbaren Widersprüche. Trotz Witwenverbrennung einerseits und Buddha anderseits, trotz Ttmur Lenk einerseits und Taoteking anderer^ seits, trotz der zwölftausend Erschlagenen von Ai hier und der Propheten dort. Es ist einheitlich, denn er ist auf eine Einheit gerichtet, ja, daß er überhaupt auf ein Ziel gerichtet ist, stets und konsequent und in allen seinen Äußerungen und Verinnerlichungen, das schon unterscheidet ihn vom Geiste Europas und macht uns, die wir noch jüdischen Geist in uns tragen, zu seinen Söhnen. Das ist die große Sendung Zions, daß es die Welt erlösen wird. Alle Offenbarungen geschahen in Asien und alles Licht kam vom Osten. Ekstase, Konzentration und Inbrunst sind asiatische Ereignisse, an denen das jüdische Volk Teil hatte und da es heute seine Blicke wieder nach Zion richtet, muß es dieser Tatsachen eingedenk sein, um seinen Weg zu finden, den nicht nur der Körper schreiten muß, sondern auch der Geist, um sich wieder harmonisch in das große Gefüge, das eine Einheit ist, um sich wieder in Asien einzufügen. Dann wird dieses Asien dem Juden kein Mysterium sein, wie es dem Europäer ist, sondern ein befreiender Begriff, denn in seiner Seele wird es gelöst sein. In dieser Seele, die innerlichst ist, wie alle Seele Asiens. % Zion ist Absage, Abkehr jund Überwindung. Absage an das zu Überwindende, Abkehr vom Überwundenen, Überwindung Europas. Nicht unser Kampf richte sich gegen Europa, sondern unser innerlichster Sieg, denn unvereinbar ist der Geist Europas mit dem Geiste, der unsere neue Gemeinschaft in Zion bauen will. Es will dieser Geist, dieser Urgrund echtesten jüdischen Wesens, weit mehr als alle gedruckten und gesprochenen Programme sagen können. Wohl ist auch seine Forderung die jüdische Gemeinschaft im jüdischen Lande, doch ihre Art, ihr Wesen, ihre Grundlagen will er anders, ganz anders als alle Programme. Er fordert eine Gemeinschaft, die auf Liebe gegründet ist, auf der Erkenntnis, daß nicht Bequemlichkeit Zivilisation ist und nicht Zivilisation Kultur, eine Gemeinschaft, die auf Ich und Du, auf innerlicher Ehrlichkeit, auf bewegender Ruhe, auf innerer Freiheit, auf vollen und ganzen Gefühlen, nicht auf Worten, sondern Taten fußt. Er fordert von uns, daß wir kein Volk von Spekulanten und Kaufleuten seien, daß unsere Gemeinschaft frei sei von Kommerzgeist. In unserer Mitte dürfen nicht Leute wohnen, die wie Diese oder wie Jene in dieser oder in jener Kolonie des Landes Israel <ich kenne sie gut, denn ich sah sie und ihre Geschäfte), die mit dem Boden der Väter schachern, spekulieren, die Konjunktur weit besser zu werten wissen als die Waffe im Kampfe der Abwehr, die die Kursblätter weit besser zu lesen wissen, als die Bücher und die Rechenmaschine höher stellen als den Pflug. u