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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 177

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 177 (sequence 15)
Language
German
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Revolution der Jugend. 177 der Seele weg ins Seelenlose, er kann auch auf sie hin zielen. Wichtiger als der Weg ist der Schreitende. Für dien beseelten, den wesentlichen Menschen führen alle Wege zur Seele. Das erstorbene, entseelte Volk zu retten und zu beleben aber bedarf es des Weges zu ihm, der aus dem Ich herausfuhrt und es — hier hilft keine Täuschung — vergewaltigt und hinopfert, wenn man diesen Weg zu Ende geht. VI. DAS ZIEL: DER UNBEKANNTE GOTT. »Du sollst keine anderen Götter haben neben mär«. Wir haben den alten Gott verloren und haben fremden Götzen gedient: der Freiheit, der Persönlichkeit, der Kunst im besten, dem Geschäft, dem Geschlecht und dem Vergnügen im schlimmeren Falle. Längst sind die Götzen zerbrochen, in einer wüsten und entgötterten Welt stehen wir mit kalter und ernüchterter Seele, erdrückt von dem Zwang der übermächtig gewordenen Naturgesetze, die sogleich die leiseste Regung jedes religiösschöpferischen Gefühls ersticken, und in Sehnsucht und Verzweiflung wendet sich der Blick der in weiter Ferne dämmernden Zukunft und ihrem unbe^ kannten Gölte, deo ignoto, zu. So hob auch Friedrich Nietzsche in seinem Gedichte »Dem unbekannten Gotte« vereinsamt seine Hände zu ihm empor* Wir ahnen, in welcher Gestalt uns dieser Gott erscheinen wird. Nicht mehr als der alte Stammesgott, der Wunder wirkte und sich offenbarte,- das Übersinnliche kehrt für unsere wach gewordenen Sinne nie mehr wieder. Auch nicht als der Gott der Liebe, unter dessen Schutz heute wie seit je der Haß und das wahnsinnigste Massenmorden triumphiert. Es ist auch nicht das Volk das kann all denen gegenüber nicht deutlich genug betont werden, die den traurigen Mut finden, von diesem heutigen jüdisenen Volk und seinem gegenwärtigen Zustand bis zur Ekstase begeistert zu sein, aber auch den Anhängern }. L. Perez gegenüber, die von der »blutigen <!> Schönheit <!!> des Golus« zu schwärmen wagen. Nicht die kollektive Volksgemeinschaft schlechthin in ihrer konkreten Wirk* lichkeit <nur als deren Verabsolutierung begreift Georg Simmel Göttliche) ist es, in deren Namen Imperialismus und Chauvinismus ihre ihnen dadurch geheiligt erscheinenden Verbrechen begehen. Aber vielleicht ist es die Idee des Volkes, das unbekannte, unerreichte und unerfüllte Volk, das Volk der Menschheit, das messianische Volk am Ende der Zeiten. Der Weg, der zu diesem göttlichen Ziele führt, geht aus der Enge des Innen in die endlose Weite des Außen. Er hat sein Ziel nicht in der Begrenztheit des hinfälligen Menschen, sondern in der Unendlichkeit der unerreichbaren Aufgabe, die uns Gott ist. Sicherlich: »höchstes Glück der Erdenkinder ist nur die Persönlichkeit«. Aber selbst Goethes Persönlich* keit erscheint uns mit der Not seines während der Zeit sein Persön- >I<h will didi kennen, Unbekannter," du tief in meine Seele Greifender, mein Leben wie ein Sturm Durdisdiweifender, du Unfaßbarer, mir Verwandter! Idi will didi kennen, selbst dir dienen.

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