Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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176 Albrcdit He II mann: damit der Menschheit. So erscheinen Menschheit und menschliches Ich als äußerste Gegensätze). Den Beweis versuchen folgende Sätze aus einem soeben in der Monatsschrift »Der Jude« <3- Jahrg., Heft i>* erschienenen Auf* satze »Die Juden in der Weltpolitik« zu erbringen: »Es ist die Sehnsucht nach Totalität, an welcher sich immer wieder im Leben des Einzelnen und der Völker die immanente Tragik jedes Lebens offenbart. Die An* schauung, daß die Entwicklung und Vervollkommnung der eigenen persön* liehen Anlagen auch die Entwicklung und Vervollkommnung des nationalen Wesens im Gefolge habe, ist unrichtig. Der Einzelne ist nicht ein Summand, mit dessen Vergrößerung sich auch die Summe, die das Volk bedeutet, vergrößert. Wenn überhaupt eine .quantitative Betrachtungsweise hier am Platze ist, ist die Nation das Integral aller ihrer Glieder, der vergangenen, gegenwärtigen und künftigen. Darüber hinaus aber noch eine eigene Per* sönlichkeit höherer Ordnung und ein vollkommen selbständiges Subjekt eigenen Willens, der politisch inkommensurabel ist und keineswegs, durch die Rousseausche »volonte generale« zureichend repräsentiert wird. So bedarf das Volk besonderer, von der durch den Einzelnen für sich auf* gewendeten Mühe verschiedener Arbeit, um den ihm innewohnenden Drang nach Totalität zu erfüllen. Das Wirken im Dienste des Volkes ist nicht mit der Arbeit an sich selbst identisch, sondern hier klafft ein nie aufzuhebender Widerspruch. Betrachtet man dieses Problem nicht von dem Gesichtspunkte des dauernden Kompro* misses, wie er durch die Praxis des Lebens uns immer aufs neue dar* geboten wird, sondern sieht man die Forderung nach Vollendung der eigenen menschlichen und der volklichen Totalität in idealer Reinheit, dann wird es sofort klar, daß diese beiden Forderungen einander ausschließen, weil eben zwei Totalitäten nicht nebeneinander erfüllt werden können/ ist es uns doch sogar versagt, auch nur eine zu gewinnen, weil Totalität wesentlich ein Attribut des Göttlichen und dem endlichen, begrenzten und vergänglichen Menschen nicht gegeben, nur als unerreichbares, aber doch zu innerst als notwendig emprandenes Ziel aufgegeben ist. Wie das heraklitische Wort, man könne nicht zweimal in denselben Fluß steigen, die zeitliche Grenze der menschlichen Existenz bezeichnet, so das Sprich* wort, man könne nicht zwei Herren dienen, in seiner reinsten Bedeutung erfaßt, ihre räumliche. <Nicht die Überwindung, aber vielleicht die reinste Austragung dieses ewig tragischen Konfliktes zwischen der Totalität der Idee und der Begrenztheit des menschlichen Lebens ist das Opfer. An* deutungen hierüber in dem Essay »Idee und Organisation«, »Der Jude« 1917, Heft 3>* Es ziemt uns nicht, diese Tragik durch den Hinweis auf das »praktische Leben« zu verschleiern. Uns Juden vor allem nicht. Das erhabene Wort unserer Urzeit: »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir« steht als eine zu schwere und gewaltige Mahnung über unserem Leben und der Geschichte unseres Volkes.« Der Weg nach innen braucht nicht notwendigerweise zur Seele, er kann auch zur Erstarrung führen/ der Weg nach außen muß ebenso nicht von * Als Sonderdruck im^ Verlag R. Lowit Wien, erschienen.