Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 175 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Revolution der Jugend. 175 uns die Feindschaft seiner Priester, der monistischen Medizinmänner, zu erwerben.) Wir müßten schließlich nicht Juden sein, nicht dem Volke angehören, das allen diesen zweifelhaften Naturgesetzen zum Trotz weiterlebt, wenn wir nicht den Glauben aufrecht hielten, daß das Bewegende, Werdende und Wachsende nicht zu erstarren, stillzustehen und unveränderlich zu werden braucht, daß die Jugend nicht altern muß, sondern jung bleiben kann und die revolutionäre Aktion sich nicht in die konservative Reaktion verwandeln muß. Wir leugnen die absolute Notwendigkeit in der allgemeinen Erfahrung, daß die Seele sich in jenem Entseelungsprozeß, der sich heute Leben nennt, nicht in ihrer ursprünglichen, jugendlichen Reinheit, Größe und unendlichen Fülle bewahren kann. V. DER WEG. Doch welcher Tat bedarf es hiezu, was sollen wir, was soll die jüdische Jugend tun? Soll die Jugend ängstlich besorgt um sich selbst nichts als die Aufgabe kennen, jung und beseelt zu bleiben? Wofür sollen wir uns entscheiden: für den Weg zu uns, zum Ich und zur Persönlichkeit oder für den Weg von uns, zum Volk urid zur Menschheit/ für die Verinnerlichung oder für die Äußerung/ für den persönlichen Mittelpunkt oder für den gemein* schaftlichen Kreis,- für das Wirken, die Tat nach innen oder das Wirken, die Tat nach außen: die Selbstbäldung und Selbstbehauptung oder das Opfer und die Hingabe? Erfüllen wir auf diesem oder auf jenem Wege die tiefe Sehnsucht, die aus des Angelus Silesius Wort spricht: »Mensch, werde wesentlich«? Was ist wesentlich ünd führt zum Wesen, wem gilt »der wehe Schrei nach dem lebendigen Kerne« (Stefan George): dem Verlangen, Mensch zu werden, oder dem, Jude zu werden? <Mensch zu sein ist der individualistische Wunsch und die einfältige Einbildung genießender Ästheten ebenso wie Jude zu sein die Anmaßung und dünkelhafte Ein^ bildurig der jüdischen Rechtgläubigen und der zahllosen zionistischen Apostel der »Jüdischkeit«. Niemals ist ein Sein das Wesen, der lebendige Kern der Jugend, die unaufhörlich wird und wächst.) Es wird uns gesagt, wir könnten und sollten beide Wege gehen, den nach innen und den nach außen, den, der zur Vollendung des Mensch^ liehen ünd den, der zur Vollendung des Jüdischen, des Volkes führt Doch ein Mensch kann nicht auf zwei Wegen wandern, wenn jeder von ihnen ein Leben lang ist. Denn der Mensch hat nur ein Leben. Es ist darum nicht wahr, was man heute so oft hört: daß, wer sich selber diene und sich selbst vollende, auch dem Volke diene und dieses vollende. Die unendliche Aufgabe, Mensch, menschliche Persönlichkeit zu werden, fordert ebenso den ganzen Menschen und sein ganzes Leben wie die un* endliche Aufgabe, Jude zu werden <was natürlich nicht heißt, jüdisch zu werden, sich mit den alten jüdischen Inhalten bis zum Rande vollzustopfen wie die Orthodoxen und die zionistischen oder nationaljüdischen Individuen, die vor lauter Jüdischkeit zu platzen drohen. Jude werden, heißt für mich vielmehr, den zukünftigen, noch nie erschauten jüdischen Menschen mitschaffen wollen, heißt dem Volke zu dienen, dem kommenden Volke und