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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 174

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 174 (sequence 12)
Language
German
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174 Albrecht Helimann: geworden wäre? Eine Jugend auch, die sich nicht zugetraut und es auch nicht verkündet hätte, daß die Welt von ihr das Heil zu erwarten habe, und wenn es nicht die Menschheit war, so doch zum mindesten ihr Volk? Daß mit ihr und durch sie eine neue Zeit angebrochen, der Tag der Freiheit und des Glücks endlich gekommen sei? Wie rasch aber erlosch immer wieder Feuer, Glut und Leidenschaft! Seht sie euch nur an, unsere Väter, seht sie an — ist das auszudenken, erzittert ihr nicht in Leid und Grauen darüber, daß auch diese einst jung gewesen waren, jung wie ihr und nun doch alt geworden sind — wie ihr? Ja, wie ihr einmal. Was will es besagen, ob sie es früher wurden, weil ihr Beruf, der sie altern ließ, sie früher ergriff! Romain Rolland, im 3. Band seines »Jean Christophe«, charakterisiert die sich immer wiederholende Erscheinung der welterlösenden und -beglückenden Jugend folgendermaßen: >Jede neue Generation braucht einen schönen Wahn. Auch die selbstsüchtigsten jungen Leute besitzen einen Überfluß an Lebenskraft, ein Kapital an Energie, das ihnen vor* gestreckt worden ist, und das nicht nutzlos liegen will/ sie versuchen, es in einer Tätigkeit oder <wenn sie vorsichtiger sind) in einer Theorie zu verausgaben: in der Luftschiffahrt oder der Revolution, im Muskelsport oder im Ideensport. Wenn man jung ist, hat man das Bedürfnis, sich einzubilden, man arbeite an einer großen Menschheitsbewegung mit, man schaffe die Welt neu. Wie schön, Fühlung mit allen Winden des Weltalls zu haben! Man ist so frei und so leicht! Man hat sich noch nicht mit Familienbanden belastet, man hat nichts, man wagt nicht viel/ Man hat gut, großherzig zu sein, wenn man auf das, woran einem noch nichts liegt, verzichten kann. Und dann ist es sojut, zu lieben und zu hassen, zu glauben, man könne die Erde mit Träumen und Geschrei umformen. Junge Leute sind wie Hunde, die auf der Lauer liegen :> sie zittern und bellen in den Wind.« — So ist anscheinend diese Entwicklung eine unentrinnbare Notwendigkeit und der Ausdruck eines Naturgesetzes? Wenn jede neue Jugend nur die Woge ist, die verebben muß, der Ansturm, der kraftlos wird, der Auf* bruch, der auf halbem Wege zusammenbricht, und wenn dieser Vorgang unabwendbar wie. ein Verhängnis ist, dann sind wir ohnmächtig dem ehernen Gesetz des Alterns unterworfen, dann ist es vergeblich, sich dagegen zu stemmen, ebenso wie es vergeblich ist, dem Gesetz der Schwerkraft zu entrinnen. Wer in der Jugend nichts anderes sieht, als einen bestimmten Zeitabschnitt des menschlichen Wachstums, für den ist es begreiflicherweise ein* Natur* gesetz, daß die Jugend alt werden muß. Wir aber, denen Jugend mehr ist als ein biologischer Prozeß, die darum ein »natürliches Recht«, das auf der außerordentlich verdienstvollen Tatsache, jünger zu sein, beruht, nicht an* erkennen und denen Jugend, die Jugend des Menschen nämlich, mehr als ein jungen Hunden und jungen Menschen gemeinsamer, d. h. natürlicher Zustand, vielmehr ein Attribut der Seele bedeutet/ wir leugrien die Geltung eines solchen Naturgesetzes für die Jugend, denn wir erkennen überhaupt kein Naturgesetz über die menschliche Seele an. <Auch auf die Gefahr hin,

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