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Jerubbaal · 1918-08-01 · 5 (8.1918) · p. Seite 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
5 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 173 (sequence 11)
Language
German
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Revolution der Jugend. 173 Wirklich? Sehen wir uns diese Jugend einmal an, kühl und unbeirrt wie ein künftiger Geschichtsschreiber! Wieviele Generationen der zionistischen Jugend haben nicht in den zwanzig Jahren des Zionismus, entflammt und begeistert, jung und beseelt, ihrem Volke und der Menschheit verkündet, daß die Seele des jüdischen Volkes in ihnen zu neuem Leben auferstanden sei! Wo sind sie jetzt, diese unzähligen jungen Menschen, die bereit schienen, ihrem Volke mit dem ganzen Einsatz ihrer Person und der unverkürzten Dauer ihres Lebens zu dienen, sich ihm darzubringen? Sie sind alt und seelenlos geworden, wie ihre von ihnen bekämpften Väter, stecken mumienhaft in ihren Berufen und lächeln vielleicht mitleidig und ironisch zugleich über ihre »Jugendschwärmerei«. Ist es nicht geradezu zum Weinen, wenn man daran denkt, was allein aus den Tausenden zionistischer Studenten geworden ist, die in den Jahren ihres Hochschulstudiums zionistisch organisiert waren, von den Mittelschülern gar nicht zu reden! Sie sind fast alle in ihren Berufen verschwunden wie ihre Väter und verließen den Zionismus oder wenigstens ihren Platz in der Organisation gerade dort, wo sie diese am meisten braucht: als sie begannen, »Bürger« zu werden. Es gibt ^vielleicht einzelne oder viele junge Zionisten, aber es gibt keine zionistische Jugend. Wirkliche Jugend kann nicht abtrünnig werden, so wenig wie die Seele. Das wäre früher gewesen, jetzt aber sei eine neue Zeit, eine neue Jugend, die nicht mehr abtrünnig werden könne? Darauf muß entgegnet werden, daß es bisher nicht eine neue Jugendgeneration gegeben hat, die ohne diese Beteuerung den Kampf gegen die Altgewordenen auf* genommen hätte. Und doch sind immer die früheren Revolutionäre sehr bald konservativ und ebenso jugendscheu geworden wie die einst von ihnen Bekämpften: in dem Augenblick, da sie zur Geltung und Macht gelangt waren. Der Kampf der Jugend war bisher ebenso wie jeder andere ein Kampf um die Macht und Macht ist Seelenlosigkeit. Die Jugend, die Anerkennung und Macht erlangt hat, ist seelenlos geworden und sie hat damit aufgehört, Jugend zu sein. IV. EIN NATURGESETZ? So gilt hier vielleicht ein allgemeines Gesetz, dem jede junge Generation, nicht nur die jüdische und zionistische, unterworfen ist? Wer in die Geschichte zurückzublicken und sich die Vergangenheit zu vergegenwärtigen versteht, was im. tickten Grunde außerhalb des mensch^ liehen Vermögens liegt, denn das heißt, Totes lebendig machen, steht erschüttert und erstaunt vor dem in jeder Generation sich immer aufs neue wiederholenden Schauspiel des Alterns und des Verrats der Jugend. Ewig dasselbe Spiel der Zeit: die revoltierenden Jungen werden alt, konservativ, besitzend, mächtig, seelenlos und erstarrt und müssen von der neuen Jugend gestürzt werden, damit das Gleiche wieder beginne. Gab es nodi eine Revolution, die gedauert und nicht in Macht und Herrschaft geendet hätte, eine Jugend, die jung geblieben und nidkt seelenlos

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