Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 171 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437757--203-3776594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Revolution der Jugend. 171 kämpf« der Jugend gegen das Alter gelten läßt. Im zeitlich^physischen Sinne mögen Jugend und Alter sich durdi Zahlen ausdrücken lassen, nie im seelischen, dem eigentlichen und wesentlichen. In diesem heißt altern entseelt werden. IL DAS ENTSEELTE VOLK. Das jüdische Volk ist heute älter als es vor hundert Jahren war, älter als die meisten anderen Völker, nicht weil es sie an Dauer überragt, sondern weil es seelenloser, weil. es in den letzten hundert Jahren mehr gealtert ist als in dem vorangegangenen Jahrtausend. Es gibt ein untrügliches Zeichen der Alters* und der Jugendschwäche: das immer wiederholte »wehmutsvolle« Geständnis seines Alters und das unablässige »jauchzende« Bekenntnis zu seiner Jugend. Das milde Geflenn des Greises von diesen und jenen Jahren, daß er am Rande des Grabes stehe, sein Dasein nur noch nach Tagen zählen dürfe usw., verrät genau so Senilität, wie der markige Jodler, daß man ja noch so jung, so jung sei und der Stimmbruch, der dieses Jauchzen jäh unterbricht, einem ein sozusagen angeborenes, unantastbares Recht zu seinen Flegeljahren gäbe, Kindlichkeit. So bezeugt auch nichts mehr die Schwäche des jüdischen Volkes als die fortwährende Berufung seiner Anwälte darauf, daß es das älteste Volk der Erde, ein altes Kulturvolk sei. Was haben sie mit seiner unsterblichen Seele getan, diese rabbinischen Advokaten und theologischen Apologeten, daß diese Rechtfertigung des Judentums nicht nur zur Abwehr, sondern zur Begründung seines weiteren Daseins notwendig ist? Wo ist das hohe Leuchten seiner Seele und Jugend, Abglanz der Göttlichkeit und der Ewigkeit, von dem nicht gesprochen zu werden braucht,' damit man es schaue und fühle, sondern das, von innen her leuchtend und wärmend, beseelt und verjüngt, wie das pochende Herz mit seihem Blut den Körper erhält und erneut? Die Jugend, wenn man da* runter nicht die Kindheit des Menschen und des Volkes, sondern das dauernde Attribut ihrer Seelen versteht, ist so wortlos wie die Seele selbst. Wie diese redet sie nicht, sie lebt. Alle Worte von ihr und über sie sind ein ganz schwacher und matter Widerhall ihrer unsagbaren le* bendigen Fülle. Was ist aus uns geworden! Was haben hundert Jahre aus diesem Volke werden lassen! Was ist im Westen das Judentum mehr als das müde Gemurmel trockener Greisenlippen zu manchen Stunden des Jahres, als eine welke Erinnerung aus den Tagen der Großväter? Gramvoll starrt uns die absterbende Seele unseres Volkes an und begegnet fremden und kalten Blicken. Werden wir es vergessen und verwinden können, dieses jammervolle Bild des alten Bettlers, der verlassen und gebro<* cheri vor den verschlossenen Türen seiner reichen, arn>seeligen, seelen* losen Kinder steht? Was haben seine eigenen Söhne aus der großen Seele dieses Volkes gemacht! Wie haben sie sie zu ihren Geschäften mißbraucht, für ihre Vergnügungen geopfert und ihrer Laster wegen preiV gegeben! Was kümmerte es sie, ob sie uns, den Enkeln, ein so elendes