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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 163 (sequence 41)
Language
German
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Rundschau. 163 erhabenere jüdische Hilfstätigkeit bei Trauerfällen beobachtet, wenn er im jüdischen Sprichwort den trotz aller Bitternis des täglichen Erlebens unaus* rottbaren Glauben an eine sittliche Waltung und das bei aller Würdigung irdischen Gutes unbedingte Überwiegen geistiger Werte wahrnimmt, wenn er in den internationalen Sagen und wandernden Märchen, sobald sie jüdischen Boden be* treten, den frommen Einschlag, die An* lehnung an das Bibel wort gewahrt dann kann er nie mehr gegen sein Volk ungerecht werden. Scheiden lernt er zwischen dem reinen, gesunden Kern und der Schale, einer Außenseite mit Flec&en, die beim erzwungenen Waten durch den Gass'enkot der Jahrhunderte unvermeidlich waren. Darum: Wollt Ihr gute Juden sein^ so helfet jüdisches Gut sammeln, einen Volksbesitz, der dem alles nivellierenden und uniformierenden ^odelack, dem alles urwüchsige Volkstum ertötenden Bildungsfirnis unserer Zeit immer mehr weichen muß. Reste einer Schicht, die Muttererde jüdischer Kultur ist, die wir nicht missen können. * * * Jedes Sammeln bedarf einer Anleitung. Dem Folkloristen ergeht es ähnlich wie dem Botaniker. Die Masse, die durch Wald und Auen schweift, sieht nur »Bäume«, »Blumen«, »Grün« dort, wo das botanisdi geschulte Auge sdiarf unterscheidet, spezialisiert und oft Werte entdeckt, an denen der andere achtlos vorübergeht, wissenschaftliche Schätze, die der Fuss des Ungelehrten plump zertritt. So muß auch Auge und Ohr des Folkloristen auf das, was für ihn von Bedeutung ist, eingestellt sein. Er muss aber auch die Selbstzucht üben, - das Gesehene und Gehörte nicht im Spiegel seiner Reflexion, sondern womöglich mit photo* und phonographischer Treue wiederzugeben. Diese Präzision ist un* erläßlich. Seitdem ich im November 1896 mit einem öffentlichen Aufruf Sammlung gen zur jüdischen Volkskunde einge* leitet habe, die zumeist in den nunmehr 20 Jahrgängen der »Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde« Aufnahme fanden, ist der Stoff allerdings beträchtlich an* gewachsen. Heute kostet es ein gut Teil Arbeit, bei jedem einzelnen Fund, sei es Volkslied, Sprichwort oder sonst ein volkskundlicherGegenstand, festzustellen, ob er nicht bereits durch eine der seit* dem ersdiienenen Veröffentlichungen der* artigen Stoffes literarisch bekannt ge* worden sei. Doch lasse man sidi dadurch nicht beirren. Die meisten Funde stellen, wie bei mündlicher Liberlieferung ganz natürlich, irgend eine Variante dar. Immerhin wird sich, um von dem Llm^ fang unseres Arbeitsgebietes und den Methoden ein Bild zu gewinnen, ein Bilde in die erwähnten »Mitteilungen« empfehlen. Vor allem beachte man hier A. La n d a u s Präzision in der Wiedergabe der Texte, wie die Transkription sich bemüht, den gehörten Laut, jede dialektische Nuance möglichst getreu zu treffen. Gerade hierin lassen die beiden im übrigen vor* trefflichen Standardworks der jüdischen Volkskunde, Bernsteins Sammlung jüdischer Sprichwörter und die Ausgabe jüdischer Volkslieder aus Russland von Ginsburg und Marek, zu wünschen übrig. Ihnen fehlt die phonetische Akribie, mit der zum Beispiel Idelsohn die Lieder orientalischer Juden wiedergibt. Seine Aufsätze über die persischen und jemenitischen Juden in den »Mit* teilungen« können als Vorlage für die Art gelten, wie eine jüdische Volks* gruppe folkloristisch zu behandeln ist. Ebenso sind seine Untersuchungen der Aussprache des Hebräischen bei ver* schiedenen Gruppen, deren er neun ab* gehört hat, vorbildlich für die Erforschung der jüdischen »Galuth«*Sprachen, über deren Entstehung uns Math. Mieses belehrt. Als solche liegt uns am nächsten das »Jüdische«, das diese Bezeichnung schon als die Muttersprache von 10 Milli*

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