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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 164 (sequence 42)
Language
German
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164 Rtindsdiau. onen Juden, somit fünf Sechstel der ge* samten gegenwärtig lebenden Judenheit, verdient. Eine Spradie, die wiederum ihre Mundarten, Provinzialismen und verschiedenen Aussprachen hat. Der Li* tauer spricht sie anders als der GalU zianer, derElsässer anders als der Jude in Oberfranken. Da heißt es das Ohr schärfen, deutlich unterscheiden. Vor allem sammeln! Auch wo offenbar althebräisches Sprachgut, wo Zitat oder Anklang an jüdisches Schrifttum vorliegt. Für den Volkscharakter be^ zeichnend ist ja die Vorliebe gerade für diese Einzelheiten. Und wie oft wird den Zitaten ein anderer Sinn unterlegt, welch ein Tummelplatz für Witz und Parodie! Welche Wandlungen haben sich im jüdischen Volksmunde Worte gefallen lassen müssen, wie: »Hakol kol Jaakob«, »Dalfon«, »Waizata«, »cheleb«, »Schelumiel«, »Edom« und andere mehr. Man beachte auch Kunsu ausdrücke und Berufssprachen, wie S. Weißenberg deren bei den Juden Südrußlands beobachtet hat. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die — zuerst von Leopold Zunz wissen^ schaftlich behandelten — Namen der Juden, deren Umbildungen Legion ist. Vornamen, Kose* und Spitznamen, Familiennamen, jüdische Bezeichnungen von Ortschaften, Tieren, Planzen, Krank* heiten, Spielen alles ist von Bedeutung. An die Spitznamen knüpfen sich mitunter Till Eulenspiegeleien, so* wie von ganzen Städten Abderiten- Stückchen überliefert werden, Die jüdische Spottlust, die sich auch in schonungsloser Selbstkritik äußert, verschont keinen Stand, noch Beruf noch religiöse Besonderheiten <Chasidim>. Sie spricht schon aus den Kinderreimen, die aber meist kindlich*harmloses Ge* präge tragen, den Regenbogen, die Jahres* zeiten, die Feste besingen, einzelne Mo* nate und Tora*Wochenabschnitte zu dem Witterungswechsel in Beziehung setzen und so einen jüdischen Volkskalender herstellen. Ketten* und Abzählreime, Alpha* betarien, Abwehrformeln gegen bissige Hunde und ähnliches sind ebenso sorg* fältig aufzuzeichnen, wie Volkslieder aller Kategorien, Inlibris, Spiele, Rät* sei, Märchen, Sagen und soweiter, darunter immer neben Entlehnungen oder internationalem Gemeingut jüdi* sehe Besonderheit. Neben den Moti* ven der Nibelungen*, der Gudrun*, der Tristan*, der Faustussagen «Möse, Elia, Ijob und die Rabbiner des Mittel* alters, neben Hephaistos und Artemis, neben dem Froschkönig der Livjathan und Sandalfon, neben Kaspar, Melchior und Balthasar die Größen der Kabbala. Auch von den Purimspielen von Esther und Ahasverus, von Josef, von Goliath und anderen finden sich noch Spuren. Nicht zu unterschätzen sind ferner die jüdische Speisekarte, der Sam. Kraus eine gründliche Arbeit gewidmet hat, und das unübersehbare Heer der jüdi* sehen Bräuche von der Wiege bis zum, Grabe. Vor allem ausgiebig erweist sich das Gebiet des jüdischen Volksglaubens, über den außer in unseren »Mittei* hingen« einiges in größerem Zusammen* hange in Werken über Volksmedizin, mitunter unzuverlässig, berichtet wurde. Solche Irrtümer, die sich dann von Buch zu Buch forterben und nicht mehr zu tilgen sind, haben ihren Grund zum Teil in ungenauer Beobachtung, zum Teil in falscher Deutung. Deshalb noch* mals die Bitte: Beobachten, eifrig sam* mein! Sammeln nicht nur eigene Be* achtungen am lebendigen Objekt, sondern auch volkskundliche Einsprengungen bei Perez, Mendele, Scholem Alejchem und anderen berufenen Darstellern jüdischen Volkslebens. Sammeln aber auch An* schauungsmaterial, Chewrabücher, Ge* meindeprotokolle, Familienaufzeichnun* gen, Memoiren, kurzum alles, worin sich jüdisches Volksleben offenbart! Zu Rat und Hilfe sind wir jederzeit bereit. Je ergiebiger die Sammlungen, desto näher kommen wir dem Ziele der jüdischen Volkskunde: dem Buche vom jüdischen Volke. Max Grunwald. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Mayer Präger/ Wien, I. Fleisdimarkt 1. Für Deutschland: Dr. Max Mayer, Berlin, W. i5, Düsseldorferstraße 23. — Verlag von R. Löwii, Berlin und Wien. Druck der Österreichischen Zeirungs* und Druckerei-* Aktien 'Gesellschaft, Wien, HI. Bezirk, Rüdengasse \\

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