Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 4 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom Lef>en der Jugend. sehen den Vorrang verweigern/ wir trachten sie nicht minder intensiv -* wenn nicht noch intensiver —* zu be* herrschen. Hebräischundjüdisch, aber nicht polnisch sind unsere S p r a A e n. Das Beherrschen der jüdi* sehen Spradhe gestattet uns unser Volk zu verstehen und gleichzeitig von ihm verstanden zu werden. Und wirk* lieh errangen wir sein volles Vertrauen in kurzer Zeit. Beweise lieferten die blutigen Apriltagey die Krakau <wie auch Viele andere Städtchen Galiziens) durch* machte. Das ganze jüdische Volk richtete sein Augenmerk auf den »M e r k a z«; er war das richtige Zentrum des Krakauer Judentums/ es war dieser, der mit Hilfe der »Jugend« <ein poale*zion. Verein) und der »Schomrim« den Selbst* schütz gründete, der ein dauernder Mahn* ruf in bekannter Richtung verbleiben wird. In unserem Programm nimmt also die Arbeit für das jüdische Volk einen hervorragenden Platz ein. Es tut Not, ihm positive Werte zu geben und nicht an Phrasenausrufen stehen zu bleiben. Genug Worte, jetzt müssen Taten folgen! Bei den heutigen Verhältnissen halten wir für unbedingt notwendig das Er* richten von Berufs* und Rechts*Informa* tions*Bureaus. Drei Leitmotive gaben uns dazu Anstoß; 1. Der blinde Antisemitismus eines sehr großen Teiles der Gesellschaft, in deren Mitte wir wohnen, der den Grund* satz: »Jeder zu den Seinigen« <swöj do swego) aufstellend, dem Juden jede Hilfe verweigert/ 2. Die ökonomische und materielle Not der zahlreichen Schichten des Volkes, die ihm alle entgeltliche Ratschläge un* möglidh macht,- 3. Die fast ausschließliche Kenntnis der jüdischen- Sprache,- dies gestattet den Juden nicht in den unmittelbaren Kontakt mit den verschiedenen Behörden zu treten, um nicht dem Spott, wegen minimalen Beherrschens der polnischen Sprache, ausgesetzt zu sein. Der »Merkaz« muß auch viele Mühe allen den Institutionen schenken, die 161 1_;_ demokratisch eingerichtet, kulturelle Be* deutung haben. Es handelt sich hier um Toynbeehallen, die auch oder in der ersten Reihe das allgemeine Wissen in groben Umrissen wenigstens geben könnten, Bibliotheken, welche dem jüdi* sahen Volke zur Verfügung stünden, Festabende und Versammlungen, die dem Besprechen verschiedener nationaler, sozialer, ökonomischer Probleme gewidmet wären u. a. m. Altneu wäre in unserer Anschauung und Bewegung derdemokratische Charakter. Hieduroh unterscheiden wir uns prinzipiell von anderen Vereinen und Organisationen der zionistischen Jugend. Obwohl unser unvergeßliche Meister die zionistische Bewegung auf demokratischen Grundlagen basierte, blieb sie doch bis heute in großem Maße fern von dem obgenannten Grundsatz. Trau* rigen aber wahren Beweis bringen uns die Jugendvereine, deren vollkommenes Sioh*Sepaneren sehr unangenehmen Ein* druck macht. Alle unterstreichen empha* tisch, daß sie nur solche und solche Jugend um sich gruppieren,- aber das noch minder bauende ist es, daß sie ohne jede Be* Ziehungen zu einander stehen. Diese Anomalie trachten wir zu beseitigen. Unsere Entwicklung muß physiologisch und nicht patologisch sein. Zu uns hat jeder Jude und jede Jüdin Zutritt und Eintritt. Vor allem der von den dunklen, schmalen, armseligen jüdischen Gassen,- seine Söhne und Töchter rufen wird, denn dadurch werden die Ziele und Ideale, die wir bekennen eher ins Volk fließen und seine Herzen und Köpfe gewinnen. Und dann sind wir die Sieger! Denn mit uns ist das jüdische Volk! Nodi eine kleine Bemerkung. Der Verein »Merkaz« ist im Begriffe seine Ideologie in ganz Galizien zu verbreiten und eine Organisation »Merkaz« zu gründen. Deshalb wird er in den künftigen Wochen einen galizischen Jugendtag veranstalten. Näheres werden wir noch rechtzeitig bekanntmachen. Naftali Menasche;