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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 160

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 160 (sequence 38)
Language
German
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160 Vom Leben der Jugend. __| Vom Leben Die Ideologie vom »Merkaz«. Es entstand in Krakau vor einigen Monaten ein zionistischer Verein »Merkaz Hazeirim«. Wie doch das Ver* breiten der Idee von der wirtschaftlichen, nationalen, geistigen Renaissance unseres Volkes auf eigener Scholle erfreulich ist, so hat es anderseits keinen tieferen —' vielleicht nur statistischen — Zweck jeden neugegründeten Verein zu regi* strieren. Weil aber der »Merkaz« eher Anschauungen, als nur dies, was er bis jetzt ist, darstellt, bin ich im Begriffe hier seine Ideologie klarzulegen. Vom Standpunkte ausgehend, daß die Jugend nicht nur eine Phase im physischen Entwicklungsgänge des Men* sehen ist, sondern auch zugleich ein be* solideres Ganzes bildet, muß die Jugend ihr eigenes Leben leben, das sich diametral von der Lebensart der Älteren unterscheidet. Was ihr den spezifischen Stempel verleihen sollte, das wäre die flammende Liebe zum Ideal und die Unbedingtheit im Kampfe um dessen Realisierung,« sie soll jeden platten Opportunismus und jedes Kom* promisverfahren zur Seite sdiieben, kurz Abschied nehmen von den bür* gerlichen »Idealen« <ein contradictio in adiecto!), die sich im Golde spiegeln. Die »jüdische« Jugend will j ü d i s ch werden ,• und da tut es Not ihr Herz mit jüdischem Inhalt zu füllen. Wir wollen die jüdische Geschichte, soll heißen unsere Geschichte, leben/ im vollen Bewußtsein dessen, daß Taten von Hunderten von Geschlechtern die lange Kette fügen, die wir Geschichte nennen, wollen wir auch ein Zwischen* glied werden. Wir müssen fühlen, daß unsere Propheten und Könige, demselben Blute entstammten wie wir, daß sie uns so nahe verwandt sind, wie unsere noch heute lebenden Ver* wandten. Wir müssen Geschichte Leben lernen, daß wir uns sagen dürfen: La nation c'est moi! Bis hieher schreiten Vir — m. E. — der Jugend. 1 mit der ganzen Jugend,- wir gehen zu* sammen in den Kampf, um unsere Emanzipation von den unberufenen und ungeeigneten Vormundschaften; die ganze Jugend will doch abschütteln die ihr aufgebürdete Zensur des Fühlens, Den* kens, Sprechens und der Tat. Wir wollen nicht mehr Entmündigte bleiben, sondern eine Gemeinschaft werden, die keinen anderen Gesetzbüchern unterliegt, als dem ewigen Gesetze der Ethik. S i e soll uns der einzige Anreger und Leiter in unserem Handeln sein. Bis hieher — wie gesagt — schreiten wir zusammen. Von hier führen zwei verschiedene Wege. Der eine ist der Weg der Einsamkeit/ diesen wählte die ganze zionistische Jugend, ohne Alters* unterschied, die wir in der Organisationen »Schomrim« und »Blau*Weiß« oder »Zeire*Zion« finden. Sie lebt i n s i ch und für s i ch. Dies ist ihr Ziel an s i ch. Fern von der Gesellschaft übt die Jugend keinen Einfluß auf die letztere,- dies kann jedoch höchstens für den acht* zehnjährigen jungen Menschen Recht* fertigung erhoffen. Und deshalb ergibt sich der Natur der Dinge nach ein zweiter Weg, den w i r schreiten. Audi der »Merkaz« schreitet in gewisser Hin* sieht in Einsamkeit, aber nur deshalb, weil der Rest der Jugend den ersten Weg geht. Und doch wird er nicht einsam sein, denn er geht ins Volk, um dort seine Losungsworte zu verkünden, zu verbreiten und zu realisieren/ die Jugend die ihre Idealen gelebt hat, muß trachten, daß sie zur Topie werden und sich nicht im Sande verlaufen — wenn man's so nennen darf Eine unserer wichtigsten und eminentesten Aufgaben ist also d i e Arbeit im Volke für das Volk. Wir wollen keine hermetisch geschlossene Gesellschaft sein, sondern ins jüdische Volk gehen und sein Leben, Leiden und Lage kennen lernen. Als Mittel hiezu dient uns die Jüdische Sprache, die nicht nur die Sprache des jüdischen Volkes ist: sie ist auch unsere Sprache. Das soll aber nicht bedeuten, daß wir der hebräi*

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