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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 158 (sequence 36)
Language
German
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158 Theodor ReLk: liches Auflehnen dagegen findet sich im Budie Hiob. Ein Mann aus Uz erleidet dort im Grunde dasselbe rätselhafte wie der junge Graf von Charolais. Der Wirt verlor sein Lebensglück durch einen Frühlingswind. In jenem Buche, das uralte Menschheitsfragen umschließt, wird erzählt: »Und siehe, es kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß auf die Ecken des Hauses und warf es auf die Knaben«. Zu Hiob spricht sein Weib: »Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? So segne Gott und stirb!« Es ist derselbe Ton in den Worten, die der Graf von Charolais am Ausgange dem Präsidenten zuruft. Auch Hiob will mit Gott rechten wie ein Menschenkind mit seinem Freunde. Es ist etwas in der Unmittelbarkeit, Beschwingtheit und Fülle der Sprache BeerJHofmanns, in diesem von Erleb* nissen schweren, frei der Sekte entspringenden Pathos, die an viele und innig genossene Bibellektüre erinnert. »Höhnt ihn, wer ihn gerecht und gnädig nennt?«, fragt der Graf von Charolais in tiefer Bitterkeit. Und doch — gerecht ist alles, ein Gesetz waltet über allem, uns verborgen und in manchen auserwählten Stunden geahnt. Erinnern wir uns zur Feststellung der geistigen Kontinuität daran, welche Rolle die Begriffe Zadik und Zedek in den visionären Emanationen der Propheten und in der nachexilischen Literatur spielen. Immer wieder kehren sie in tausend Zusammenhängen wieder, als Hoffnung im Verhältnis zu Gott, in schwersten Prüfungen des Volkes stets erneuert, als Recht* fertigung eigener Sünden,- in den Beziehungen zu dem umwohnenden, das Volk bedrängenden Heiden ist die Gerechtigkeit der Frommen vor Gott immer wieder letzte und sicherste Stütze. »Die ihr Gerechtigkeit kennt, du Volk, das meine Thora im Herzen hat«, ruft Jesaias. Hiob stöhnt: »In Rechte fertigung kleidete ich mich und sie bekleidet mich wie ein Mantel und mein Kopfbund war mein Recht«. »Gerecht ist Jahwe, gerechte Unterscheidung liebt er«, verkündet der elfte Psalm. Das zweite Motiv, welches das »Schlaflied für Mirjam« schuf, ist keinem Volke näher als dem jüdischendas Zusammengehörigkeitsgefühl der Generationen Verpflichtungen des Blutes mit denen des Geistes unlösbar verknüpft. Mari hat es oft flach die jüdische Pietät genannt. Aber Tieferes bleibt hier zu bemerken: wie es dieses Gefühl ist, das vom Dichter niemals zu betont am Hintergrunde aller seiner Schöpfungen wirkt. Es bleibt hervorzuheben, daß dieses Bewußtsein innigsten, unauflöslichen Zusammenhanges in zweifacher Richtung das Werk Beer^Hofmanns mit dem antiken Juden* tum verknüpft. Bei den Alten war der Begriff des Lebens nicht so indivi* dueli ausgestattet wie für uns. So nimmt man z. B. an, daß alle Glieder' eines Stammes nur ein Leben haben, das in dem gemeinsamen Blut, das durch aller Adern strömt, seinen physischen Träger hat«. <Robertson Smith, Lectures on the religion of Semites.) Die Pflichten der Blutsgemeinschaft, die Achtung vor der Heiligkeit des Blutes sind die einzigen für den antiken Juden, die unantastbar und unverbrüchlich sind. Im Hebräischem ist der Ausdrude, mit dem jemand eine Verwandtschaft anerkennt: »Du bist von meinem Bein und Fleisch«. Diese Auffassung eines Stammes als Lebens* einheit, als beseeltep körperlichen Träger von Blut, Fleisch und Gebeinen wirkt noch in diesem Dichter unterirdisch fort, ist nur tiefer, reicher und

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