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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 154

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 154 (sequence 32)
Language
German
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154 Markus Reiner: Nationalistenspiege#. hänge«. Schließlich stellt das »Monistische Jahrhundert« fest, daß »Deutsch* land die historische Aufgabe habe, Europa unter seiner Führung zu* organisieren«/ was Richard Dehmel wieder dahingehend erweitert und zugleich präzisiert, daß »nur der Deutsche ein adeliges Recht auf die Weltherrschaft habe«. Trotzdem aber, oder vielmehr eben deswegen, nennt Professor Eüken den-Engländer einen »Pharisäer«, wobei er aber gleich hinzufügt <beVor wir noch dagegen protestieren können): »ein solcher Vergleich sei eigentlich eine Beleidigung für die Pharisäer«.*) Kurz: am deutschen Wesen soll die Welt genesen, ob sie nun will oder nicht, und ist sie nicht willig, so brauch ich Gewalt. Ist das nicht eine glänzende Karikatur unseres Auserwähltheitsgedankens? Richtig zieht auch Werner Sombart diesen zur Stütze heran. Zwei aus er wählte Völker gibt es nach ihm: Deutsche und Juden. Da sieh' mal! Sollen wir durch diese schmeichelhafte Verknüpfung vielleicht bewogen werden Partei für die »Helden« gegen die »Händler« zu nehmen? Da besinnen wir uns aber einen Moment und meinen dann: eher gibt es wohl keines, zumindest aber keines in diesem Sinne. Und da sieht man, wozu so ein »Nationalistenspiegel« gut sein kann: wir sind durch so eine Behauptung gezwungen, uns über den Sinn unserer Aus* erwähltheit klar zu werden. Da zeigt es sich nun, daß unsere Auserwählt* heit kein Recht einschließt, sondern eine Verpflichtung. Daß sie eine interne Angelegenheit ist zwischen Gott und uns, und daß.wir nach außen hin nicht viel Aufhebens damit machen dürfen. Wir haben uns nämlich Gott gegenüber verpflichtet, ein auserwähltes Volk zu werden — ob wirs nun sind, ist eine andere Frage. Jedenfalls können wir daraus keine Rechte anderen Völkern gegenüber ableiten. Und das einzige, was aus der von uns eingegangenen Verpflichtung zur Auserwähltheit folgt, ist die größere Schmach und Schande unseres Lebens: denn wir haben sie nämlich nicht eingehalten, diese Verpflichtung, wir betragen uns nicht wie Gottes Volk — und allerdings auch dies ist eine Sache einzig zwischen Gott und uns. Dostojewski glaubte fest daran, daß Rußland dazu bestimmt sei, der Welt den neuen Gedanken zu geben und er war daher das, was man jetzt einen wütenden Annexionisten nennt ~~ seine politischen Schriften sind einfach ekelhaft. Erkennen wir aus ihnen die Gefahren einer Mission^* idee. Nicht der Welt den neuen Gedanken zu geben, sondern ihn uns selbst als Aufgabe zur Verwirklichung zu setzen ist unsere Sache. Die jüdische Auserwähltheitsidee kann daher so aufgefaßt, nie zu einem Imperialismus führen, zu dem die russische eines Dostojewski und ebenso die deutsche eines Fichte letzten Endes führte. Und auch diese Erkenntnis darf uns nicht eine Quelle nationalen Hochmutes werden — denn die Anderen, sie werden sagen wir wären zum Imperialismus nur nicht »gesund« genug. Markus Reinen •>. Es muß hervorgehoben werden, daß diese Zitatensammlung ein Auszug aus einer größeren ist, die von einem Deutschen stammt, der sie in einem mutigen Buch über den Krieg veröffentlicht hat. ''

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