Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 4 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Verständigungskonferenz und zionistische Jugendbewegung. 149 treten, welche schließlich vor uns als Vorbilder stehen und an deren Stelle wir einst treten wollen«. Diese Jugend ist eiti eng umzirkelter Sektor im Kreise der jeweiligen politischen Organisation und diese jungen Leute sind nichts anderes als inoffizielle Mitglieder des Zentralvereins oder des Vereins für die liberalen Interessen des Judentums, mit den Pflichten aber ohne die Rechte der offiziellen Mitglieder. Das ist allerdings nichts Neues. Wir kennen diese sogenannte Bewegung, die in Wahrheit eine Erstarrung ist, nicht erst von heute und gestern. Frage: Warum setzt sich, die zionistische Jugendbewegung mit diesen Jugendriegen der jüdischen Parteiorganisationen an einen Tisch zwecks Verständigung? Worüber? Doch wohl zunächst über den Begriff »Jüdische Jugendbewegung«. Dann mußten alle Redner und fast alle Teilnehmer der Verständigungskonferenz von vornherein ausscheiden. Oder sollte es etwa eine politische Aktion werden? Wozu dann der lächerliche Umweg über die im Nebenzimmer einquartierte Jugendorganisation? Dann gehe man doch gleich ins Hauptquartier zu Justizrat Fuchs oder Dr. Paul Nathan. Herrn Dr. Apfel findet man genau so gut da wie dort: Wie aber kommt unsere Jugendbewegung zur Politik? Antwort: Weil die zionistische Jugendbewegung im Begriffe steht, genau so eine Parteiorganisation, genau so eine Jugendgruppe der zionistischen Vereinigung für Deutschland zu werden, wie es der ganze Rest der deutsch-jüdischen Jugendorganisationen hinsichtlich der anderen jüdischpolitischen Organisationen längst geworden ist. Bei den anderen nimmt uns das nicht Wunder und gibt uns auch kaum Anlaß zum Widerstand. Für die zionistische Jugendbewegung aber wollen wir das nicht zulassen und dürfen wir das nicht zulassen. Und wenn, wie es fast den Anschein hat, die jungen selbst die Gefahr nicht sehen sonst wäre dieser Gang zu dieser Verständigungskonferenz und wäre dieses Auftreten auf der Konferenz nicht möglich gewesen — dann müssen die Nichtmehrjungen, aber noch Jugendlichen darauf hinweisen und mahnend an den jugendlichen Geist appellieren. Was heißt denn Jugendbewegung? Die Bewegung der Jungen, der Ungebrochenen, der noch Absoluten, der von keiner Erfahrung und keiner Absicht Beschwerten, der Freien, Ungebundenen, der keinen Zwang und keiner Satzung Untertanen. Die Bewegung der Jungen, das ist die Be^ wegung an sich, die noch nicht Organisation geworden ist, mit der allein sie die Idee gemeinsam hat. Die Jugendbewegung kennt nur sich, nur ihre Forderung, nicht ihre Grenzen. Sie sieht nur geradeaus und verachtet die Rücksicht, sie marschiert auf ihr Ziel, nicht auf die Wirklichkeit. Sie mag sich in freier Wahl unterstellen, aber sie kann sich von keiner taktischen Erwägung beeinflussen lassen, ihr Reich ist die Stimmung, nicht die Abstimmung, und ein Wort ist ihr verhaßt wie die Lüge, und dieses Wort heißt: Partei. Ihre Diskussion ist freie Rede, und wer ihr mit Verantwortung droht, den wirft sie zu den Alten. Eines begreift sie nicht: Objektivität, und wer in ihrem Kreise nicht die eigene Anschauung wiedergiebt, den jagt sie zu den noch Älteren. Sie hat kein Programm, sie hat ihr Erlebnis, und darum hat sie auch nur einen Gegner: Den