Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 4 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 148 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437752--175-3776567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 Julius Berger: dokumentarisch festgelegt ist, wie manche Führer, der jüdischen Jugend Deutschlands den Einigungsgedanken verzerrt und . . . mißbraucht haben . . . ■ <Die Sperrungen vom Verfasser.) Ist es nötig, hiezu noch einen Kommentar zu geben? Etwa die Tat* sache zu verzeichnen, daß sich unter den vierzehn Diskussionsrednern drei Rabbiner, drei Rechtsanwälte, ein Sanitätsrat usw. befanden, und daß überhaupt nur ein Redner auftrat, der weniger als 25 Jahre alt war? Es war eine Versammlung, der — wie sagte doch jener Redner? — gereiften Führer und Erzieher, es war ein. Jugenderziehungstag und es bedeutet einen unerhörten Schwindel, diese Tagung als eine solche der jüdischen Jugend zu bezeichnen. Einige Führer * der deutschen Juden sind zusammen* gekommen, nicht gerade die Ältesten, aber die beinahe Alten, alles Männer, die mitten drin und zum Teil führend im Kampf der jüdischen Parteien stehen, alle bis zum Rande voll von dem Wust der Streitigkeiten und Parteidifferenzen des deutschen Judentums. Wenn zufällig im Nebensaal eine Tagung der jüdisch-politischen Organisationen der Männer stattgefunden hätte, die vor ihnen »als Vorbilder stehen und an deren Stelle sie einst treten wollen«, wären sie ebenfalls als Redner und Führer ausgestanden, aber hier hätten sie nicht versucht, die vielbesprochene gemeinsame Aktionsfront herzustellen denn sie haben das ja all die Jahre in diesen Organisationen nicht versucht —* für die ihnen die jüdische Jugend gerade gut genug ist. Warum das Kind nicht beim rechten Namen nennen? Die jüdische Jugendbewegung in Deutschland ist keine Bewegung der jüdischen Jugend. Es ist der Versuch der großen politischen Organisationen oder Richtungen im deutschen Judentum, sich der. Jugend für den späteren politischen Konkurrenzkampf frühzeitig zu bemächtigen, sich aus der jüdischen Jugend ein politisches Rekrutendepot zu bilden, keine Bewegung, die der Jugend dient, sondern die dem Alter dient, keine Bewegung um der Jugend willen, sondern um der Alten willen. Darum auch darf, diese Jugend beileibe sich nicht frei entwickeln, darum muß sie »beeinflußt« und »erzogen« werden, darum soll sie sich verständigen oder sich verzanken, je nach dem die politische Situation oder gar die Taktik der großen Verbände es verlangt. Selbstverständlich ist Jugendarbeit ohne Beeinflussung nicht denkbar. Jeder etwas ältere und erfahrene Leiter einer Gruppe wird in der Regel sogar bewußt auf seine jungen Freunde einwirken. Und eine Jugend^ bewegung. die auf zionistischen Anschauungen und Kreisen sich aufbaut, sieht selbstversändlich ganz anders aus als eine, deren Initiatoren leitende Mitglieder des Zentralvereins sind oder werden wollen. Unsere Kritik meint etwas anderes. Sie meint den jugendlichen Geist, der in dieser Bewegung nicht vorhanden ist, das jugendliche Empfinden, das der deutsch* jüdischen Jugendbewegung nicht Richtschnur und maßgebend ist. Ihr gebietet einzig und allein das Parteidogma der Mutterorganisation. Dieser Jugend wird das Recht abgesprochen, »Dinge aufzunehmen, welche von anderer Seite entschieden abgelehnt worden sind.« Diese Jugend darf nicht »in einen Gegensatz zih denjenigen Organisationen und denjenigen Menschen