Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 4 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 145 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius B c r g c r: Verständigungskonferenz und zionistische Jugendbewegung. 145 Bildung machen. Bildung genießt man nicht zu diesem Zwecke, um mit ihr einmal protzen zu können, sondern um der Allgemeinheit nützlich zu sein und sich mit dem errungenen Wissen mit anderen zu teilen. Wer fürs Volk arbeiten will, der muß sprengen die veralteten gesellschaftlichen Schranken und sich mit der Masse verbrüdern. Damals wird sich ihm ein weites Feld zu einer fruchtbringenden Arbeit erschließen. Soll jeder und jede von uns einen Kreis von Personen um sich sammeln, in dem er in freien Augenblicken nach Kräften arbeitet. Söll er mit seinen Schülern auf freundschaftlichem Füße stehen, nicht seine Überlegenheit auf jedem Schritte fühlbar machen. Ihr werdet sehen, daß wir selbst Vieles von ihnen werden lernen können. Brüder! Schwestern! Ich hoffe, daß meine Worte einen Widerhall in ^uren Herzen finden werden, denn es gibt keine schönere Arbeit, als das Wirken für das Wohl des Volkes. Eisig Hillerovicz (übersetzt aus dem Polnisdien von K. B.>. Verständigungskonferenz und zionistische Jugendbewegung. Das soeben erschienene Heft 2/3 der »Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands«, das die stenographische Niederschrift über die gemeinschaftliche Tagung der jüdischen Jugendorganisationen Deutschlands zum Zwedv der Bildung einer Verständigungsgemeinschaft enthält, gibt Veranlassung, von grundsätzlichen Gesichtspunkten aiis die Entwicklung zu untersuchen, die die jüdische Jugendbewegung in Deutsch^ land genommen hat oder zu nehmen im Begriff ist. In den Zeitungen hat der Verlauf jener Tagung Anlaß zu einer Polemik gegeben, wem die Schuld an dem Scheitern der Bildung einer Verständigungsgemeinschaft zuzuschreiben ist. In der »Jüdischen Rundschau« wird Herrn Dr. Apfel, dem Vorsitzenden des neutralen Jugendverbandes die Schuld zugeschoben, <ler in brüsker Form »die Brücke zu einer Verständigung abbrach«. Auch in dem ersten Heft des »Jerubbaal« heißt es von zionistischer Seite, daß Herr Dr. Apfel »unserem ausgezeichneten VermittlungsVorschlag und •damit die Verhandlungen zum Scheitern« gebracht hat. Demgegenüber stellt sich Herr Dr. Äpfel in einem soeben der Presse zugegangenen Bericht sehr entschieden auf den Standpunkt, daß zwar nicht der Zionismus, wohl aber dessen Hauptwortführer für den unbefriedigenden Ausgang verantwortlich zu machen seien. Er spricht von einem Terror sonder^ gleichen und von einer zionistischen Clique. In diesem Bericht ist auch die Rede von einer »Zionistenhetze«, die das Beiwort »frischfröhlich« erhält, und die Herr Dr. Äpfel, verantwortlich, wie er sich fühlt, ablehnt. Man sieht, die beabsichtigte Verständigung hat vorläufig nur zu einer Zänkerei übelster Art geführt, wie sie uns aus der Leidensgeschichte der jüdischen Bewegung in Deutschland zum Überdruß bekannt ist. Es sieht sehr danach aus, als ob es sich dabei nicht um eine zufällige Episode handelt, sondern als ob alle Kräfte daran wären, die jüdische Jugend^ bewegung Deutschlands in den Sumpf parteigenössischer Konkurrenzpolitik