Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 4 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 143 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437752--170-3776562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Aufgabe der Jugend beim Neuaufbau Palästinas. 143 unerbittlich wird dieser Kampf sein, die Jugend weiß, was auf dem Spiele steht: Händlertum in Palästina, und sie kann alle ihre Hoffnungen zu Grabe tragen. Die Jugend wird aber vor allem den Kampf aufnehmen gegen die Relativitäts* und Entwickelungstheoretiker, und dieser Kampf wird ein ernster, schwerer sein und wird sich gegen viele richten, die mit unserer Bewegung groß geworden sind. Vergessen wir nicht, es sind ehrenwerte Männer, und die bange Sorge, daß wir das gefährden, das zerstören können, was uns allen am Herzen liegt, veranlaßt sie zu sprechen. Audi hser sei die Jugend stark und hart, aber der Verantwop* tung bewußt, die def Kampf mit einem Gegner aufgibt, der sein Leben Palästina gewidmet hat, und den, wie die Jugend ein heiliger Schauder ergreift, wenn er von Zion hört. Er wird der Jugend sagen: »Sie solle warten und sich gedulden, wir sind noch lange nicht so weit, um: den sozialen Zukunftsstaat in Palästina aufzubauen,- vor uns stehen dringen^ dere, wichtigere Aufgaben,- wir müssen nach dem Kriege alle Kräfte auf die »praktische« Arbeit konzentrieren. Wir dürfen uns nicht in theoretischen Experimenten und sozialen Utopien verlieren. Es heißt »Gegenwartsarbeit« zu (eisten,- nur ein Sechstel aller Palästinenser sind Juden, es gilt die Juden in möglichst kurzer Zeit zur Majorität in Palästina zu machen, die die Geschicke des Landes bestimmt. Das Wirtschaftsniveau des Landes ist nicht hoch,- es bedarf langer Arbeit, um die Entwicklungs^ Möglichkeiten zu Realitäten zu machen, daß Palästina überhaupt für einen größeren Einwandererkreis aufnahmefähig werde. Dazu müssen die Einwanderer besonders geschult werden, um unter den neuen Arbeits^ bedingungen erfolgreich arbeiten zu können. Eine totale Berufsumschichtung unter den Juden muß durchgesetzt werden. Diese Aufgabe verlangt unsere ganze Zeit und Arbeit in den ersten Jahrzehnten nach dem Kriege,- wir dürfen uns darum nicht noch allen möglichen Ideologien hingeben, dies würde das ganze Werk erschweren, vielleicht sogar gefährden. Haben wir erst einmal durchgesetzt, daß wir in Palästina die ausschlaggebende Majorität sind, haben wir das Land so entwickelt, daß. es fähig ist, einen großen Geburtenüberschuß und neue Einwanderer aufzunehmen, dann ist es —* wenn überhaupt nötig — an der Zeit, an die Lösung der sozialen Probleme heranzugehen, die das Zusammensein, dieser jüdischen Massen in Palästina aufgeben.« Ernstes Studium wird zu prüfen haben, ob, abgesehen von allem Prinzipiellen, das Aufstellen bestimmter sozialer Forderungen das Kolonisationswerk hemmen kann. An anderer Stelle habe ich gezeigt, daß das Gemein^ eigentum an Grund und Boden, wie es der Nationalfond zu verwirk-- lidhen strebt, und die Weitergabe dieses Landes in Erbpacht und Erb^ baurecht und nicht zum Privateigentum, das Kolonisationswerk nicht gefährdet oder verlangsamt, sondern im Gegenteil es beschleunigt, ja überhaupt erst möglich macht in der Form, die wir wünschen, denn nur das Gemeineigentum vermag allen Juden eine1 Heimstätte in Palästina zu schaffen. Die Jugend aber hat nur mit dem Prinzipiellen und der Idee zu. tun,- für die. Jugend ist nicht der Endzweck eine Zusammenballung von . Juden an irgend einem Punkte der Welt,- das kann für sie nur Mittel. 11*