Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 4 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 142 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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142 Fritz Sternberg: »Konjunktur«, der Geschicklichkeit und Anpassungsfähigkeit des Einzelnen zu überlassen, wie sich das soziale Leben in Palästina gestaltet, sondern von vornherein tatkräftig einzugreifen um ein Wort Bubers zu gebrauchen: »Die Diktatur des schöpferischen Geistes aufzurichten.« Es ist hier nicht der Ort, des Näheren darzustellen, wie bei Behand* lung der einzelnen Probleme vorzugehen ist, zumal wir in hofFentlidi nicht mehr zu langer Zeit mit einem Werk beschenkt werden, das diesen Fragen gewidmet ist. Nur der Idee sollen wir, soll sich vor allem die Jugend bewußt sein, die unser Werk zu bestimmen liaU Palästina soll, wie schon die denkwürdigen Worte des Baseler Programms lauten, zu einer Heim* statte des jüdischen Volkes werden, und so zu einer Heimstätte für jeden Juden, der gewillt ist, sein Leben mit Erez-Israel zu verbinden,- der händlerische, kapitalistische, imperialistische Geist, der in Europa und Amerika den Klassenkampf geschaffen, den Weltkrieg verschuldet hat, soll an der Wurzel getroffen werden, am römisch-rechtlichen Privateigen* tum an Grund und Boden, am Bodenmonopol. Nicht nur eine Berufsumschichtung muß erfolgen, sondern es gilt in - härtester, ernster Arbeit eine Wirtschaftsform autzubauen, die eine soziale Lebensgemeinschaft verbürgt und zugleich dem unausrottbaren jüdischen Selbständigkeitsdrange entgegenkommt, der nicht leben kann ohne den Gedanken, für sich oder zum mindesten für seine Kinder die soziale Frei*" heit zu erkämpfen. Denn wir wissen es ja: der alte »Jischub« karrt nach Erez*Israel, um im Lande der Väter zu sterben, der neue kommt, um im Lande der Väter zu leben, um mit seiner Arbeit das Land zu neuem Leben zu erwedeen,- und so ist die Forderung —* Formen zu schaffen, die eine Synthese bilden von jüdischer Gerechtigkeitsidee und jüdischem ünabhängigkeitsgefühl. Wir hören den Einwand, daß das lebensfremde Ideologien sind. Wir lächeln: wir wollen Ideologen sein und sind stolz darauf. Der Geist hat Israels Schicksal bestimmt, als es ein Volk war wie andere Völker, dem Geist ist die Erhaltung des Judentums im letzten Jahrtausend zu danken, oder, wie glaubt man anders als ideologisch das staatenlose Dasein unseres Volkes erklären zu können? Wir sind Ideologen, aber nicht lebensfremd/ dem Leben gilt unsere Arbeit, nur ihm. Dem Leben und zunächst dem Kampf, und zu diesem Kampfe rufen wir die Jugend auf, auf daß sie uns folge, zum Kampf gegen die Händler, die Palästina als ein »Betätigungsfeld« betrachten, zum Kampf aber vor allem gegen die Halben, die Vorsichtigen, die Prak* tiker, die Realpolitiker. Wir rufen die Jugend auf, denn die Idee unseres Werkes ist eine jugendliche, solange Jugend noch die Sehnsucht nach dem Absoluten bedeutet und den Kampf gegen alle Mächte der Realitivität, solange Jugend noch die Sehnsucht nach dem Unbedingten bedeutet und den Kampf gegen alle Mächte der »natürlichen« EntWickelung/ solange Jugend noch die Sehnsucht nach dem Heroischen bedeutet und den Kampf gegen alle Mächte des Händlertums. Die Jugend wird den Kampf gegen das Handlertum aufnehmen, gegen das Händlertum, das leider auch in Palästina nicht mehr unbekannt ist, wie die Vorgänge in Tel*Aviv gezeigt haben. Scharf und