Mannheim
Compact Memory

Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 137 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3776398-6437699-6437752--164-3776556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Notwendigkeit der neuen Gemeinschaft. 137 meinde. Nicht nur im Geiste, sondern auch wirtschaftlich sind die Mit* Glieder der Volksheimgemeinde zu einer Einheit zusammengeschlossen. Is entstehen Konsumgenossenschaften, Produktionsgenossenschaften, gemeinsame Lehrwerkstätten, im Anschluß an die jüdische Überlieferung gegründete Organisationen zur freiwilligen gegenseitigen Hilfe, Darlehenskassen usw. Überhaupt ist das Siedlungsheim Ausgangspunkt aller Bestrebungen, die sich auf die Hebung der wirtschaftlichen und besonders auch der gesundheitlichen Verhältnisse richten. Die Organisation der Säuglingsfürsorge hätte unter anderem hier einzusetzen. Die langjährigen Erfahrungen, die man in den dem Settlement ähnlichen »Nachbarschaftsgilden« in England und die geringen Erfährungen, die man seit Bestehen des jüdischen Volksheims in Berlin gemacht hat, geben Berechtigung zu der Hoffnung, daß aus diesen ursprünglich nur wenig miteinander verbundenen Menschen eine durch gemeinsame Ideale geeinte, nach einem Ideale strebende und wahrhaft zusammenlebende Gemeinschaft entstehen wird. Und was ist notwendiger, als heute schon eine ihrer Verantwortung sich bewußte, opferbereite Jugend heranzubilden? Zur Vorbereitung der Helfer und Helferinnen in den Settlements wird die »Jüdische Jugendgemeinschaft« in allmählicher Entwicklung ein jü* disches Pädagogium, ein sozialwissenschaftliches Semi* nar, in dem über die Wissenschaftsfragen im Osten, über Genossen* Schaftswesen etc. gearbeitet wird, ferner eine Art sozialer Frauen* schule mit einem Seminar für Kindergärtnerinnen schaffen. Die jüdische Jugendgemeinschaft steht in Bezug auf die Palästinaarbeit ganz auf dem Grundsatz der Hechaluzbewegung. Ihre Mitglieder verpflichten sich, bei der Einwanderung nach Palästina diese Grundsätze unbedingt anzuerkennen. VII. Die Jugend und die Religion. Wenn vorhin gesagt wurde, daß wir durch das Eindringen in die geistigen Schöpfungen des Judentums wieder uns wenden wollen zu dem Geistesleben unsres Volkes, so wird unter diesem Verlangen nach jüdischen Kenntnissen nicht das gemeint, was die religiöse Jugend im allge* meinen darunter versteht. Denn nicht darauf kommt es an, daß wir uns mit der Bibel beschäftigen, oder die jüdischen Legenden und Sagen der Väter lesen, wie man heute die literarischen Erzeugnisse eines Volkes liest, nicht darauf, daß wir jüdisches Wissen ansammeln und über Juden* tum Bescheid wissen, sondern es handelt sich um eine den ganzen Menschen umwandelnde, seinem ganzen Leben und Wollen Richtung ge* bende Erkenntnis. Wir hörten in den Jugendorganisationen wissenschaftliche Vorlesungen, nahmen Kurse über Bibelkunde, nahmen Unterrichtsstunden in jüdischer Geschichte und Literatur, kurz wir beschäftigten, uns mit allen Schöpfungen des Judentums — und wurden dennoch nicht jüdischer. Wir bewunderten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.