Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 4 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 138 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Siegfried Lehmann: Notwendigkeit der neuen Gemeinschaft. die Schönheit der Sitten, der Worte und der Bilder, ohne daß wir von ihrer inneren Wahrheit wirklich ergriffen wurden/ denn die Liebe zum jüdischen Gott, die sich in jedem geschriebenen Wort, in jeder Sitte und jeder «Form unseres Volkes offenbarte, war uns fremd. Jede aus dem Volke kommende Schöpfung war irgendwie eine Auswirkung des Ver* hältnisses der Juden zu Gott. Und so ist es nun selbstverständlich, daß dem Juden, für <Jen dieses Verhältnis, dank seines »aufgeklärten« Europäertums, kein Problem mehr ist, die Schöpfungen des Judentums nicht mehr sein können, als intern essant und wissenswert. Niemals wird dieser Jude den wahren Sinn eines jüdischen Buches erkennen, niemals wird sein Leben geformt, sein Wille gereinigt durch das Erlebnis des Buches, das Bild des Vollkommenen ihm nur um ein weniges näher gebracht. Ein »Heidenjude«, wie Birnbaum den von Gott gelösten Juden nennt, kann immer nur die Schale jüdischer Geisteskultur, niemals aber den Kern, der allein ihn jüdisch macht, erkennen. Was haben wir nicht alles getan, lim jüdisch zu werden? Wir haben manche jüdische Formen wieder eingeführt, wir entzünden wieder die Sabbathlichter und feiern wieder unsre Feste,- wir geben unserer Gemeinschaft jüdische Namen und grüßen uns mit jüdischem Gruß,- wir lesen Bibel und wir singen jüdische Lieder. Aber die Wesenheit, um deren willen alle diese Namen, formen und Worte geschaffen wurden und deren Erkenntnis allein uns zum jüdischen Handeln mit ganzem Herzen verpflichten würde, nahrtfen wir ohne Erregung, als nicht mehr wesentlich für uns, hin,- oder wir taten einfach so, als ob wir den Gott unseres Volles niemals verloren hätten, während wir ihm in Wirklichkeit ferner waren, denn je. Deshalb will tiefste Ehrfurcht vor der Religion des Volkes und das unermüdliche Streben, den jüdischen Gott wieder als den ewigen absoluten Maßstab alles Guten und Schönen in der Welt zu erkennen, die jüdische Jugend erfüllen. Wir wollen uns nicht mehr mit dem bloßen Maßstab begnügen, welchen die Ethik, die heute als vollgiltiger Ersatz der Religion gilt, unserem Handeln auferlegt. Denn das Wissen von dem, was gut und böse ist, hat, nur auf einen Teil unseres Ichs wirkend, nicht die Macht, unserem ganzen Leben, unserem ganzen Tun die Richtung zum Guten zu geben. Nur die Erkenntnis einer maßgebenden Kraft, der wir uns mit allen Fasern unseres Seins im Leben und im Tode so verbunden fühlen, wie das Kind dem Vater, kann uns so erfassen, daß wir in der unbedingten Befolgung des göttlichen Gesetzes und in dem Kampf für die Ausbreitung des Wahren und Schönen in der Welt unser eigenstes Glück, unsere tiefste Seligkeit erkennen. Die Rückkehr zum jüdischen Volk ohne <die von aller Erstarrung be* freite) Rüddtehr zum jüdischen Gott kann nicht mehr sein als eine völlige Assimilation an den anders gearteten Nationalismus der europäischen Völker, dessen Wert für die Vervollkommnung der Welt die heutige Zeit hinlänglich gezeigt hat. Zur Erkenntnis Gottes werden wir durch die Erkenntnis seiner Offen* barungen gelangen. Die Jugend soll daher im Umgang mit all den Werten