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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 136

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 136 (sequence 14)
Language
German
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136 Siegfried Lehmann: Wohl können wir uns Wissen und Kenntnisse hiervon, fern vom Volk, aus Büchern aneignen. Aber unser lebendigstes Eigentum wird all dies nur, wenn wir es in engem Zusammenleben mit unserm Volk aus seiner Hand selbst empfangen. Nur im Hause mit dem Ostjuden zusammen* lebend, werden wir das Wesen des Volksgeistes verstehen, den Alltag und den Sinn des Tages, an denen er über das Alltagsleben hinaus* wächst, den Sinn des Sabbäths und der Feste. Settlementbewegung. Im Anschluß an die englische Settlementsbewegung, der man heute auch in anderen Ländern reges Interesse entgegenbringt, sehen wir die Mög* lichkeit, die hier in diesem Jugendprogramm gestellten beiden Forderungen zu erfüllen,- die Forderung, die Kluft, die uns von dem Volke trennt, im Geiste zu überbrücken und das Wesen unsres Volkes durch Lernen und gemeinsames Leben wieder verstehen zu lernen. Und die zweite Forderung: uns durch hingebende persönliche Arbeit einzusetzen für den Aufstieg unsres Volkes, mit eigener Hand zu helfen bei der großen Um* Wandlung, die unserm Volke bevorsteht. <Denn auch Europa hat uns Westjuden wesentliche Werte geschenkt, die berufen sind, Allgemeingut des jüdischen Volkes zu werden.) Wenige Sätze mögen hier genügen, um das Wesen eines »Settlements« zu bezeichnen. Studenten und Studentinnen, junge Kaufleute, Mediziner, Kindergärtnerinnen usw. siedeln sich in einer Ostjudengasse an. Unter Mithilfe einer der Größe der Siedlungsgemeinde entsprechenden Zahl von ostjüdischen Gesinnungsgenossen wird für die Bewohner der umliegenden Straßen, insbesondere für die heranwachsende Jugend ein Mittelpunkt geschaffen, das Siedlungsheim oder Volksheim. Hier im Heim, im Garten oder auf dem Spielplatz des Heimes ver* lebt die Jugend in enger Freundschaft mit den Siedlern ihre nicht durch Schule, Elternhaus oder Beruf in Anspruch genommene Freiheit. Je nach dem Alter werden die Kinder in Kindergärten, die älteren in Knaben* und Mädchenklubs zusammengeschlossen, die von Studenten oder Frauen geleitet werden. Das Arbeiten in Handwerkslehrstätten und in einer in der Umgebung der Stadt gelegenen Jugendfarm sollen in den Kindern von früh an Liebe und Freude an der handwerklichen Arbeit und an Land* und Gartenbau erwecken. Die Schaffung eines im Anschluß an das Heim bestehenden Reformcheders würde die erzieherische Arbeit des Heimes wesentlich erleichtern. Für die schulentlassene Jugend bestehen »Klubs junger Handwerker«, »Klubs junger Kaufleute«, »Arbeiterklubs«, »Arbeiterinnenheime« usw. Aufgabe der Siedlungsgemeinde ist es, in diese Gemeinschaften, mitlebend, den Gedanken der jüdischen Erneuerung mit all seinen Forderungen und Verpflichtungen für den Einzelnen hinein* zutragen. Später wählen sich die Klubs ihre eigenen Führer aus ihrer eigenen Mitte. Wie in nordischen Staaten die Volkshochschule, wird hier das Volksheim die Pflegestätte der nationalen Werte werden. Im übrigen soll das Siedlungsheipi mit Jugend* oder Volksheimgemeinde die gleiche Rolle spielen wie das vorhin besprochene Heim unter der Jugendheimge*

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