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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 135

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 135 (sequence 13)
Language
German
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Notwendigkeit der neuen Gemeinschaft. 135 sozialen Empfindens, das im Herzen jedes einzelnen Juden der Gemein^ sdiaft wieder zu erwecken ist. Wir glauben, daß dieser jüdisch^soziale Geist in unserem Volke wieder einmal, wenn audi nicht heute oder morgen, lebendig werden wird, wenn wir von früh auf die altjüdische Auffassung von einem Gemeinwesen in die Herzen der Kinder legen. Die Pflege einer »staatsbürgerlichen« Er^ Ziehung im jüdischen Sinne halten wir für die dringendsten erzieherischen Aufgaben der Gegenwart, es muß damit begonnen werden, ehe es zu spät ist, ehe der alte Wuchergeist und europäische Großstadtscheinkultur die ersten Keime der neuen Gemeinschaft beeinflussen und so Verhängnis^ voll für die weitere Entwicklung werden können. Mit tiefer Besorgnis bemerken wir schon heute in Palästina die üblen Anzeichen eines solchen Geistes. Man lese den Artikel in der jüdischen Rundschau »Jaffa in den Tagen der Evakuation«. Dort heißt es: »Die Auswanderung aus Jaffa war auf 48 Stunden befristet. Der Tumult war groß. Beförderungsmittel waren fast nodi keine da. Wagen bekamen nur diejenigen, die genug Geld bezahlen konnten, die wenigen Wagen, die dem Publikum zur Verfügung standen, waren aus Petach Tikwah. Die verlangten Preise waren enorm: 50—60 Frc. in Gold für eine Reise nach Petach Tikwah!« Diese wenigen Sätze sollten genügen, den Wert unserer bisherigen nationalen Erziehung noch einmal zu prüfen. Was haben wir getan, um in der national gesinnten Jugend eine andere Gesinnung zu schaffen? Nationale Erziehung war bisher meist gleichbedeutend mit Unterricht im Hebräischen, in der jüdischen Geschichte, in der Geschichte des Zionismus und der jüdischen Literatur. Aber die Schaffung der Grundlagen, auf denen allein ein jüdisches Gemeinwesen möglich ist, die Ausbildung des sozialen Gerechtigkeitsempfindens, der sozialen Ethik wurde als nicht >positiv*jüdischer« Wert vor lauter Ansammlung von Kenntnissen in der nationalen Erziehung hintenan gestellt. — Wir sehen in der Erziehung der Jugend zum jüdischen Gemeinschaftsgeist eine der wesentlichsten Aufgaben der nationalen Volkserzieher. Schon hier, schon heute hat die Erziehung zu beginnen, wollen wir die Übermacht der Wucherer in Pa^ lästina verhüten. Aber Gemeinschaftsgeist läßt sich nicht durch Worte, in Büchern und in Schulen lehren, sondern nur durdi ein Leben in einer wirklich zusammenlebenden, durch freiwillige gegenseitige Hilfe verbundenen Gemeinschaft. Auf dieser Grundlage der Brüderlichkeit sei das Leben in der »Jüdischen Jugendgemeinschaft« und seiner Tochtergemeinschaften, der Siedlungs* oder Volksheimgemeinden <über Settlements siehe weiter unten) aufgebaut. VI. Vorbereitung und soziale Arbeit Die neue Jugendgemeinschaft wird ihre Ehrfurcht dem Volke gegen-* über beweisen, indem sie sich in gegenseitiger Förderung um alle Schöpfungen des Volksgeistes bemüht, um die Sprachen, die Lehre, die Volkse sagen und Lieder, um die sozialen Institutionen der Gemeinden usw.

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