Mannheim
Compact Memory

Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 130

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 130 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3776398-6437699-6437752--157-3776549
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

130 Siegfried Lehmann: Sie schlagen der jüdischen Jugend vor, sich zu organisieren. Ich kann Ihrem Vorschlag nicht zustimmen. Die Jugend, die eines Bundes würdig ist, ist noch nicht da, und wenn sie da ist, wie können Sie glauben, daß sie sich anders orga* nisieren wird als in einem Geheimbunde, der die einzige Möglichkeit einsamer Gemeinschaft darstellt, die in der Verborgenheit verwirklicht wird. Denn die Macht der jüdischen Jugend besteht nicht in ihrem Auftreten und ihren Ansprüchen, sondern in der Zurückgezogenheit, in der sie ihre Aufgabe erfaßt, und in der Größe des Verzichtes, in dem ihre Fülle Gestalt annimmt. Sollen wir also unsere Vereine schließen? Jawohl. Soll man keine Auf* sätze mehr über oder für uns schreiben? Nein. Rauben Sie in Ihrem Bezirke der Jugend die Möglichkeit, was einem Juden das Höchste sein sollte, die Sprache, weiterhin zum öffentlichen Gefäß ihrer Erlebnisse zu degradieren. Richten Sie die Leidenschaft des Kampfes gegen Ihre Leser, von denen der Zeitschrift Invasion droht. Doch ich phantasiere. Denn die Leser und diese ihre Zeitschrift sind ja identisch, sie sind die Jugend* bewegung, gegen die ich hier mein Zeugnis abgelegt habe. Der Rest ist Schweigen. Gerhard Scholem. Notwendigkeit der neuen Gemeinschaft. Beitrag zum Programm einer neuen jüdischen Jugendgemeins&aft. Fortsetzung von Heft 3.) Die Jugend und das Volk. Der Stoff, in dem sich das von der nationalen Tugend als schön und gerecht Erkannte bewährt, ist das Volk. Alles Gute und Wahre trägt Sie ins Volk, um so an der ihr wesensgleichen Umwelt ihre Aufgabe an der Menschheit zu erfüllen. Denn Nationalität sein, ist ja nicht nur ein Bekenntnis, sondern die tiefstinnerste Forderung, uns mit unserem Leben einzusetzen für die Vervollkommnung unseres Volkes. Und dieser Auffassung des Nationalismus entsprachen die Taten der nationalgesinnten Jugend anderer Völker. Unser westjüdischer Nationalismus aber ist anders beschaffen. Was hat die nationalgesinnte jüdische Jugend bis heute getan, um den Forderungen nachzukommen, die man in Rußland oder Dänemark oder Finnland an die nationalgesinnte Jugend stellte? Was haben wir anderes getan, um unserm Volke, das im Elend lebt, zu helfen, als ge* redet und wieder geredet, agitiert und organisiert? Wir haben uns mit den Gesinnungsgenossen am Abend oder beim frohen Wandern an Liedern berauscht, die von der strahlenden Auferstehung unseres Volkes handelten und haben nicht mehr wie einen Finger gerührt, um am Aufstieg zu helfen, wo doch stärker als je wachsende Armut und bitterer Ungeist an unserem Volke frißt. Wir redeten unendlich viel von Liebe zum Volke und taten dennoch an ihm keine noch so kleine Tat, die von Hingabe zeugend eine Offenbarung unserer Liebe gewesen wäre. Von der nationalen Jugend anderer Völker. Es muß uns die Schamröte ins Gesicht treiben, wenn wir von Täten der volksliebenden fugend anderer Völker hören. Es waren junge

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.