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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 128

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 128 (sequence 6)
Language
German
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128 Gerhard Sc ho lern: und der Lehre, was nicht im Erlebnis Beziehung zum Geschwätz erhielt. Und selbst den Krieg haben sie, als es noch zeitgemäß war, erlebt. Denn das ist das Ungeheure: selbst wenn es Erlebnisse gäbe, wer könnte heute wagen, davon zu sprechen. Aber die Jugend kennt das Schweigen nicht. Doch in Wahrheit ist ja das Erlebnis das Chimärische in der höchsten Potenz, das Geschwätz gewordene Absolute. Es ist notwendig zu er* kennen, daß nur die falsche Beziehung zur Gemeinschaft der Grund des Erlebnisses ist. Es ist der unendliche Mischmasch, der Ersatz für die in ihm zusammengestürzten Ordnungen jüdischer Gemeinschaft sein soll. Die Jugend, die rein und keusch in ihrem Dasein jene Ordnungen wieder auf* richtet, bedarf seiner nicht. Die Jugendbewegung, ihrer metaphysischen Nichtigkeit gewiß, brauchte als notwendiges Korrelat einen ßegriff der Erlösung, in dem sie die Bewegung um ihren religiösen Sinn betrügen konnte: so proklamierte sie das Erlebnis. Reine Jugend aber erlöst sich in der Klage. Von diesen Gründen aus ist es ein leichtes, aber unerfreuliches Unter* nehmen, dessen Ausführung Sie mir ersparen werden, das ganze Leben dieser Jugendbewegung bis in seine Einzelheiten zu deduzieren. Es gibt keinen Bereich darin, der nicht jenen immanenten Verkehrungen ausge* liefert worden ist, keine Unordnung, die uns heute nicht als Ordnung gepriesen wird. Sehen Sie, wohin immer Sie wollen! Gibt es etwas Trost* loseres als diese Jugend, seitdem sie sich ihrer Wichtigkeit und Bedeutung, deren man sie immer wieder versichert hat, bewußt geworden ist? Sie sah sich zu einer Tat berufen, vor der ihre Maßstäbe vexsagten. Sie war die Zukunft des Zionismus, von dem man ihr wohlweislich verschwieg, daß er nur eine ewige Gegenwart kennt. Sie sollte Geschichte sein und rettete sich in die Entwicklung. Denn die Aufgabe: Zion zu restituieren, bedrohte ihr Scheindasein, von dem strenge und aufs letzte gegründete Wirklichkeit gefordert wurde, die es doch nicht besaß. Der Glaube an ihr Dasein, das war ja das Axiom, in dem sie Trost und Größe suchte. Und nun war dieses Axiom gefährdet, es wurde ein Beweis für dieses Dasein verlangt, den erbringen zu können sie keine Hoffnung hatte. So pervertierte sie ihre Umkehr, die ihre letzte und größte Möglichkeit war, zur Flucht. Eine grenzenlose Verlegenheit vor den eigenen Phrasen: das ist der immer wiederkehrende Eindruck, den der erhält, der mit ihr arbeiten will. Aus dieser Verlegenheit sollten ihr all jene Vokabeln helfen, mit denen unvermeidlich Jeder, der Ernstes von ihr fordert, nachdrücklich widerlegt wird. Denn in ihrer Not macht die Jugendbewegung aus ihrer Unzulänglichkeit gegenüber den Kategorien der Geschichte eine Tugend. Sie verlangt Aufschub, damit sie sich »entwickeln« könne, Kontinuität, damit Niemand verloren geht, und kann sie sich gar nicht mehr helfen, so geht es über die »Elite« her, die Sektierer, die übersehen, daß »wir« eine Volksbewegung sind. Die Jugend, die sich in der Bewegung be^ rauscht — »Trunkene und nicht von Wein« —* hypostasiert die Qualen ihrer Unnatur zum Wert. In dieser Welt, die wahrlich keine der Ideen ist, gelingt es ihr, ih^e Flucht mit dem Fortschritt zu konfundieren <der Wahrheit getreu, daß das im Geschwätz Entgegengesetzte identische

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