Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 4 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 127 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Abschied. 127 Arbeit zu benennen und bereitet sidi vor, sie zu begründen. Die Arbeit hat keine Ideologie, aber die reine Tat ist eine Idee. Die Schwäche der zionistischen Arbeit, über die Ausschüsse und Kommissionen jammern, beruht in der den Zionisten so überaus einleuchtenden Begründung der Arbeit durch Geschwätz. Denn das ist ja sein Prinzip: Man kann alles mit allem vertauschen und es ändert sich nichts. Warum sollte also Arbeit nicht mit Demagogie oder irgend einem anderen der Begriffe dieser Sphäre vertauscht werden. So ist auch Hebräisch seines Sinnes beraubt worden*), denn das Hebräisch der Geschwätzigen wird nie die Offenbarung einer Gemeinschaft werden können, die an der Möglichkeit, in ihr hebräisch zu schweigen, ihre Realität erweist. Die Jugend hat keine Sprache. Das ist der Grund ihrer Unsicherheit und ihres Unglücks. Sie hat keine Sprache, das heißt: ihr Leben ist imaginär und ihre Erkenntnis ohne Gehalt. Ihr Dasein ist bis zur Unkenntlichkeit in der komplexen Ebene aufgelöst. Sie hat die Kriterien ihrer eigenen Wirklichkeit verloren, als sie Gott im Geschwätz belog, und zum sprachlosen Maßstab ihres Scheindaseins den Rausch gemacht.**) Der Jugend die Sprache wiederzugeben ist die Aufgäbe. Sie erfordert einen anderen Weg als den der Sprache, der nicht mehr zur Jugend führen kann, seit sie im Geschwätz das höchste Prinzip der Sprache, auf dem alles Verstehen beruht, die Offenbarung selbst verkehrt hat. Kein Zusammengehen mit ihr kann helfen, nur der radikale Verzicht auf die Jugendbewegung im Namen unserer Aufgabe kann uns vor dem Untergang bewahren. Denn wir sind auf einem sinkenden Schiff und kein Jubel und keine Zufriedenheit über die »allgemeine Richtung« vermag darüber hinwegzutäuschen, daß wir nicht nach Zion fahren, sondern in Berlin untergehen, »sie schreien Schalom, Schalom — aber es ist kein Friede«. Nur einen Ort gibt es, von dem aus Zion erreicht und die Jugend restituiert werden kann: die Einsamkeit, und nur ein Medium, das, in der Arbeit zum Strahlen gebracht, der Quell der Erneuerung sein wird: das Dasein, das das Argument gegen eine Jugend sein muß, die die Worte geschändet hat. Das ist die wahre Hilfe: daß jeder sich ab^ wendet vom Rausch der Erlebnisse, von der ärmlichen Fülle des Ge* schwätzes und der Erziehung der andern, zu der er nicht berufen ist, und in'der Verborgenheit sein Leben zu ordnen sucht. Solcher Jugend ist Hebräisch der Superlativ ihrer Stille und Zion keine symbolische Metapher mehr. Diese Jugend wird das »jüdische Erlebnis« verwerfen. Denn weil die Jugend nicht schweigen und nicht sprechen konnte, nicht sehen und nicht tun, erlebte sie. In diesen Blättern noch ist die Tora zu einem Erlebnis gemacht worden. Der unbestimmte Mystizismus, dem das Judentum auf dem Altar des Erlebnisses geopfert wird, ist die eigentliche Krone der Jugendbewegung. Es gibt nichts Großes, von der Landschaft bis zu Gott *> Als auf dem letzten Delegiertentage der deutschen Zionisten ein Redner diese ein~ fadie und ernste Wahrheit aussprach, wurde ihm von den anwesenden jungen »Hebraisten« eine sehr stürmische Szene gemacht. **> Das Geschwätz schreibt über seine Ideologien: »cum ira et studio«. Diese Leiden^ schaft eben ist der Rausch. 10*