Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 123 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Praxis; 123 richteten jüdischen Politik nicht mehr verschwinden. Rosenfelds praktische Vor* schlage sind jedenfalls in sehr weitem Ausmaß die geeigneten und jeder weitere Schritt auf dem Wege zur Klärung der Frage der jüdischen Autonomie wird sie zum Ausgangspunkte nehmen müssen. Adolf Böhm. Aus der Praxis. Plan zur Gründung eines Jugend^ gartens für Schulkinder. <Aus der Praxis für die Praxis.) Der Aufsatz des Herrn Katz »Jüdische Jugendgärten« im letzten Hefte 11/12 des »Juden« hat eine aufrichtige Freude in mir ausgelöst. Hoffentlich verhallt seine Anregung nicht wirkungslos! Es ist eines der wichtigsten Gebiete der jüdischen Jugendpflege und Ansätze zur Verwirklichung dieser Bestrebungen sind hier und dort bereits unternommen worden. Folgenden Plan entwarf ich Vorjahren. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt günstig, um weiteren Kreisen die leichte Realisierung der von Herrn Katz gestellten Forderungen in bescheidenen Anfängen vor Augen zu führen. Ziel und Zweck: Großstadtkindern durch Zuteilung von Eigenbeeten die Möglichkeit zu geben, sich im Gartenbau zu betätigen, in ein inniges Verhältnis zur Natur und zu allem Lebenden zu gelangen und die Freude am Landbesitz durch eigene Ar^ beit, Mühe und Fürsorge zu begründen. Unterstützung des städtischen Haus^ haltes durch die selbstgezogenen Erträge nisse des Gartens. Seelische und körperliche Ertüchtigung der heranwachsenden Jugend durch mehiv maligen Aufenthalt wöchentlich im Frei^ en, Tages^Ferien^Kolonien für unbe^ mittelte Schulkinder. Belebung des Naturkunde^ und ZeU chenunterrichtes in den Schulen durchVer^ mittlung von selbsterworbenen Kenntnissen in der Pflanzenpflege und Tier^ künde. Anlage eines kleinen botanischen Gartens seltener Pflanzen, wie Tabak, Mais, Gewürz^ und Arznei^Kräuter. Außerdem soll jungen Mädchen und Frauen Gelegenheit gegeben werden, sich vormittags im Gartenbau für den Privatbedarf oder soziale Hilfsarbeit aus^ zubilden und in den Städterinnen der Sinn für Zimmer^ und Balkonschmuck gepflegt und ihnen Anregungen auf diesem Gebiete vermittelt werden. Des^ halb muß dem Schulgarten für Kinder ein Hausgarten mit Gemüse^, Blumen^ und Obstbau und ein wenig Kleintier^ zucht angegliedert werden. Praktische Ausführung: Der Boden muß im Herbste urbar gemacht und mit Obststräuchern und Obstbäumen bepflanzt werden. Im April beginnt die Kinderarbeit im Schulgarten. Die Kinder können von halb 3 bis 7 Uhr nachmittags im Garten sich aufhalten, dort auch ihre Schuld aufgaben anfertigen. Jedes Kind erhält ein E i g e n b e e t v o n 10 m2. In einem Quartier arbeiten immer 6 Kinder. Dazu gehört außer den Eigenbeeten noch ein gemeinsames Beet mit selteneren Gemüsen, z. B. zwei- und mehrjährigen Pflanzen, ein Erdbeerbeet gemeinsam und ebenso für eine ganze Kindergruppe gemeinsam Blumenrabatten und Obststräucher und Buschobstbäume. Mithilfe im Hausgarten. Ein Spielplatz steht zur freien Verfügung, Geräte, Dung und Wasser wird gestellt/ eine gedeckte Halle mit Möbeln nebst Kochvorrichtung und in den Sommerferien die Erlaubnis, den Garten für unbemittelte Kinder als Tagest Auf* enthalt zu benutzen.