Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 122 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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122 Rundschau. — Büchereinlauf." werden sollen, die lokale Selbstverwal* tung also die territoriale Gebiets* hoheit in gewissem Ausmaß —- übertragen und dem Nationsganzen Schutz der Nationsangehörigen in der Diaspora, sowie gewisse Hoheiten auf kulturellem und sozialem Gebiete gewähren, die durch einen Nationalrat ausgeübt werden sollen. Diese Konstruktion ist gewiß sehr geistvoll, und sie könnte dem Na* tionalitätenstreit viel Boden entziehen. Aber es liegt im Wesen desselben, ein Kampf der Nationen um die ganze Macht und die volle Selbständigkeit zu sein und deshalb ist auch die nationale Autonomie keine restlose Lösung der Nationalitätenfrage. Immerhin wäre ihre Einführung wenigstens für die Nationen, die sich heute noch bedrückt fühlen, so* wie für die Demokratisierung des Staats* wesens ein großer Gewinn. Die nationaljüdischen Politiker sind von jeher für die nationale Autonomie eingetreten. Teilweise entsprach dies ihrer allgemeinen politischen Ideologie: für Demokratie und Selbstbestimmung usw. einzutreten, zum anderen aber wollten sie die Autonomie audi für das jüdische Volk durchsetzen. Durch die Zusammen* fassung der Juden in eine Nationsge* meinschaft mit Besteuerungsrecht zwecks Errichtung eigener Schulen, sozialer und anderer Hilfsinstitute kann die national* politisdie Knechtschaft der Juden be* seitigt, sollen ihre Kräfte gesammelt und zum nationalen Aufbau verwendet werden. Das Postulat der jüdischen Autonomie ist am vollständigsten von den Juden jener Länder angenommen worden, in denen sie noch in größerer, kompakterer Masse wohnen und sich einen scharf ausgeprägten nationalen Charakter bewahrt haben, also in Ruß* land, Polen, Litauen. In Österreich wird sie natürlich nur von national gesinnten jüdischen Politikern gefordert, von den assimilatorischen scharf be* kämpft. Aber auch im nationaljüdischen Lager ist die Frage der Autonomie noch nicht völlig geklärt. In einer soeben erschienenen Broschüre ^Nationales Selbstbestimmungsrecht der Ju* den in Polen« <Wien, Löwit 1918) untersucht Dr. Max Rosenfeld das Problem in Hinblick auf die Verhältnisse in Polen und Galizien. Er gibt einen vorzüglichen Überblick über die Ge* schichte der Versuche zur Lösung der Nationalitätenfrage in Österreich und entwirft ein vollständiges Programm für eine jüdische Autonomie in Polen und Galizien. Manche Schwierigkeiten einer solchen werden von ihm sichtlich unter* schätzt. So z. B. die Frage des »Wie« der Konstituierung der Nation,- Rosen* feld schlägt die Gcmeindematrik als Grundlage des nationalen Katasters vorA wogegen sich von den Gegnern der nationaljüdischen Bestrebungen ein hef* tiger Widerstand erheben wird, weshalb andere jüdischnationale Politiker nur die Juden in die nationale Gemeinschaft ein* beziehen wollen, die sich frei zur jüdi* sehen Nation bekennen. Ferner nimmt Rosenfeld die Tatsache, daß die Juden nirgends ein Territorium von der Größe einer primären Verwaltungseinheit <Kreis> als Majorität besiedeln und durchwegs nur eine Minderheitsnation bilden, als nicht zu schwerwiegend an und schließ* lieh lehnt er den Einwand, daß nach Einführung der jüdischen Autonomie der Wirtschaftskampf, den die anderen Nationen gegen die Juden führen, sich außerordentlich verschärfen wird, mit nicht allzu überzeugenden Gründen ab. Immerhin ist seine Broschüre als erste zusammenfassende Darstellung der Frage von größtem Werte. Und da schließlich, trotz aller nicht zu unterschätzenden Nachteile der jüdischen Autonomie durch sie den Juden ganz wesentliche Er* rungenschaften gesichert werden könnten; Die Sicherung der nationalen Rechte, ihre legitime Vertretung, die Zusammen* fassung der Kräfte, die Ausbildung von Selbstverwaltungsorganen, die nationale Erziehung und der wirtschaftliche Zu* sammenschluß, so wird es sich für die nationaljüdische Politik nur darum han* dein, die Form der Autonomie möglichst den speziellen Verhältnissen der Juden anzupassen. Das Postulat selbst kann aus dem Programm einer national ge*