Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 121 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Menschen, Bücher, Bewegungen: Nationale Autonomie. 121 »Der jüdische Wille«/ Zeitschrift des Kartells jüdischer Verbind düngen. Das K. J. V. hat sich in sehr dankens^ werter Weise »entschlossen, den bisher nur gelegentlich gesprengten Rahmen unserer internen Diskussion für immer aufzuheben und von nun an unsere Erörterung regelmäßig in aller Öffent^ lichkeit vorzunehmen.« Ein lang gehegter Wunsch der jüdischen Jugend wird hie^ mit erfüllt. Es ist die Möglichkeit ge^ geben, diesen großen und eigenartigen Bund, das K. J. V., wirklich kennen zu lernen, aus seiner Arbeit und aus seinem Leben, während man bisher auf jene Äußerungen angewiesen war, die sich eigens an die Öffentlichkeit wandten, den daher alle notwendigen Nachteile der Propaganda-Literatur anhafteten. Es ist zu hoffen, daß die neue Zeitschrift viel Beachtung finden wird, und daß sie Anlaß geben wird, manches schwierige Problem der neuerlichen und tieferen Diskussion und so wenigstens einer Klärung, wenn schon nicht der Lösung zuzuführen. — Das erste uns vorliegende Heft ist ein guter Anfang in dieser Hinsicht. Dr. Pelz erörtert die Frage der Mischehe und begründet die bekannte Auffassung des K. J, V. Wir glauben nicht, daß diese irgendwie ein letztes Resultat sein kann, vielmehr hatten wir das Gefühl, als wäre hier ein Weg ein^ geschlagen, der vielleicht aus augenblick> liehen praktischen Erwägungen erzwungen wurde, der aber keineswegs der an sich richtige ist. Doch wird darüber im Jerub^ baal noch ausführlicher zu sprechen sein. Dr. Löwenstein gibt eine kurze, sehr eindringliche Politische Revue,- Dr. Stein deckt den Grundirrtum der nichtnationalen Juden auf, die Antisemitismus als eine böswillige Anschauung einer kleinen Gruppe der Deutschen auffassen, diese selbst aber für »Philosemiten« halten, Dr. Sternberg erörtert die Möglichkeiten der »Einwanderung nach Palästina«. Ein sehr bemerkenswerter Aufsatz von Rubanhoff über die »Erstlinge« der AssU milation in Deutschfand ,• Weizmans Essay über »Alfred Wolfehstein«, »Drei So* nette« von Bloch, K. J. V. * Feldbriefe und eine gründliche und scharfe Be* leuchtung des assimilatorischen »K. C.* Geistes« geben dem Hefte mannigfaltiges Interesse. Siegfried Bernfeld. Menschen. Büdher. Bewegungen. Nationale Autonomie. Das Problem des reibungslosen Zu^ sammenlebens mehrerer Nationen in einem Staate ist noch ungelöst. In den Nationalitätenstaaten Europas — Öster^ reich, Ungarn, Rußland, Türkei — sind bis vor kurzem durch geschichtliche Entwicklung eine oder zwei Nationen die herrschenden Nationen gewesen, die versucht hatten, die von ihnen be^ herrschten Völker zu entnationalisieren. Je mehr diese aber durch die ökono^ mische und politische Entwicklung an Bildung, Wohlstand und Selbstbewußt^ sein zugenommen haben, desto schärfer wurde ihr Kampf gegen nationale Unterdrückung. Die nationalen Kämpfe bilden den Inhalt der politischen Geschichte Österreichs seit 4848. Schon damals hat der jüdische Politiker Adolf Fischhof zur Lösung der Nationalitäten^ frage die »nationale Autonomie« vor^ geschlagen. Seither haben verschiedene Theoretiker, unter ihnen an erster Stelle Dr. Karl Renner <in dem Buche »Das Selbstbestimmungsrecht der Nationen«, Wien 1918), die Voraussetzungen und die notwendige Gestaltung der Autonom mie der Nationen untersucht. Renner will den Nationen, die auf Grund des freien Bekenntnisses des Einzelnen zur Nation als Personalverband zusammen^ gefaßt und als Rechtssubjekt konstituiert