Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 119 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus: Juda Sassenberg. 119 »Bs war eben scfion zu viel. Ich habe zu viel Mitleid mit dir gehabt. Und es muß nun aufhören.« Da griff ihn die Angst an das Herz: »Laß es noch ein wenig sein, eine kleine Weile! Ich habe dieses alles soeben gesagt: mir baut sich jetzt die ganze Welt auf. Vielleicht wird es einmal sein, daß ich mich auch von dir lösen kann und beginne zuzu^ schauen und wunschlos zu werden.« »Ich wünsche es dir vom Herzen.« »Aber verlaß mich nicht jetzt! Noch kann ich es nicht.« »Ich kann nicht mehr, Jehuda.« »Jetzt verliere ich alles. Meine junge Schönheit, meine schlanke Schönheit, meine inbrünstige Schönheit! Die ganze Welt! »Und hatte ich nicht Ruhe? War ich nicht fein stille? Und nun kommt solche Unruhe!« Und da sie seine Hand nahm und leise streichelte, — denn er tat ihr leid: »Verlaß midi nicht jetzt!« Doch als sie, selbst hilflos zitternd und mit bangen Augen, die Hand im Entschluß des Abschieds zurücklegte, ergriff er sie mit Gewalt und stürzte sich über sie. Da gebrauchte sie alle Kraft und riß sich los. Als er den Kopf aufhob, war sie fort. Da er sich aufmachte, sie zu suchen, überströmten ihn Tränen, und der ' geöffnete Mund war verzerrt wie das Gesicht eines weinenden Kindes. Er fand sie erschöpft am Rande eines Wasserbeckens,- jedoch als sie ihn vom anderen Ufer kommen sah, ihren Namen klagend: »Rahel!« stand sie groß auf und verhärtete sie sich: »Du solltest didbi schämen.« Da fiel er nieder und warf seine Stirn auf die Erde. Erwin Rosolio. |Vom Leben der Jugend. [ Der österreichisch-jüdische Jugendtag in Wien. Man kann über diese drei Tage schlecht berichten. Die Tagung verlief programm* mäßig und für den unbeteiligten Bericht* erstatter sicherlich nicht sonderlich intern essant und vor allem ohne ersichtlichen Grund. Man hörte Orgelvariationen zur Habitwah, zwei Reden von längerer Dauer und zahllose Diskussionsreden, die meisten rednerisch schlecht, inhaltlich nicht sehr belangvoll, manche in beiden Belangen vorzüglich. Man erlebte einen kleinen Zwischenfall, der Unruhe er* zeugte und den Vorsitzenden nach den Ordnern rufen ließ, schließlich ein Schluß* wort, Jubel, Hatikwah, Schluß. Niemand wußte eigentlich, worum er hergegangen war, man wußte nicht, was ausgesprochen wurde und mit wem und wozu. Und dennoch; es muß da etwas ge* wesen sein. Denn man ist in Wien ver* stimmt. Mehr, man war sogar ein paar 9*