Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 115 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berufswahl. 115 keit, der Geldliebe niedergerissen ist, der den Strom reiner Palästinaliebe und Hingabe an das Volk zu einem Bradtwasser eingetümpelt hatte. Für die restliche Jugend, soweit sie in ihrem Geburtslande verbleiben will, ist der entscheidende Punkt noch klarer an derselben Stelle, wie bei der auf Palästina gerichteten. In einem gewissen —* wenn auch mehr oberflächlichem Sinn — dient jeder Jude, der nach Erez Israel geht, seinem Volke. Er reiht sich klar und deutlich in dessen Rahmen ein, er bleibt ihm unverloren ,• selbst wenn er ein wirtschaftlicher oder kultureller Schädling wäre, er wirkt in seinem Volk und irgendwie wird vielleicht ins Gute gewendet, was er zum Bösen wollte,- vielleicht werden seine Kindeskinder ihn sühnen. Und vor allem: Er hat aus seinem Nationalgefühl, aus seiner politischen Überzeugung jene Konsequenz gehandelt, die er eben zu denken vermochte und steht darum über jenen, die höhere, sozialere Gedanken, mit niedrigerem, kürzerem Handeln verbinden. Bei der Diaspora^Jugend liegt es beträchtlich anders. Für sie kompliziert sich die Berufswahlfrage aufs Schärfste. Für sie birgt der künftige Beruf noch eine Gefahr, außer der sozialen, der kulturellen, der moralischen. Er kann sie entjuden. So gut wie alle wirtschaftlichen Tätigkeiten, die der Jugend in der Diaspora offen stehen, und gar jene, die sie anzulocken vermögen, werden außerhalb des jüdischen Milieu vollzogen und sind ausnahmslos außerhalb der jüdischen Wirtschaft, denn es gibt keine solche. Wer sich ihnen widmet, tritt im vollsten Sinn des Wortes aus dem jüdischem Volke aus, ob er will oder nicht. Er wird zugleich das Opfer der sozialen, der kulturellen und moralischen Folgen seines Berufes und seiner nationalen. Er hat keinen direkten, den ganzen Menschen umfassenden Zusammenhang mit seinem Volk,- er sieht sich hier auf einem anderen Gebiet als früher, aber vielleicht mit noch stärkerer Macht für jede Treue, jedes Beharren bei seiner und seines Volkes Art mit der Verkümmerung und beinahe dem Verhungern bedroht. Die Assimilation ist in irgend einem Grad —* meist dem höchsten — eine unausweichliche Folge jeder wirtschaftlichen Arbeit, die außerhalb des eigenen Volkes ausgeübt wird. Zweifellos, zu einem Teil kann jener Austritt aus dem Volke wieder rückgängig gemacht werden. Klares, starkes Fühlen mit ihm kann Verbindungen schaffen,- was an Kraft und Zeit frei bleibt kann ihm geweiht sein. Aber der ganze Mensch bleibt ihm unwiderbringlich verloren. Und das, solches halbes Tun, zweifelhaft genug in seinen Erfolgen, darf eine Jugend befriedigen? Dieselbe Jugend, die nicht müde wird von der Erneuerung des Volkes, von der Tiefe ihres Gefühls und ihrer Oberzeugung, von der Opferbereitschaft ihres Willens, von der Größe der Makkabäer und der Bilu zu reden? Sie darf solche Zwiespaltung ihres Wesens, die Verdrängung ihres Jüdischen in die spärlichen Stunden des wirtschaftlichen Privat^ lebens nicht ertragen können. Sie muß ein Gefühl bekommen für die Faulheit der Lüge: man könnte Jude, bewußter, dem Volke dienst* bereiter Jude sein, und von sieben Tagen der Woche alles bis auf zwei Stunden, alles: Zeit, Kraft, Denken und Wollen einem anderen Volke schenken oder verkaufen. Gar keine Wahl ist hier freigegeben. Eine unentrinnbare Folge der anerkannten, aus der bejahten Tatsache des