Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 114 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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114 Siegfried B e r n f e 1 d : des Menschen, das seinen Zwecken dient, solche Bewegungen schließen in sich die Gewähr, daß nach ihrem Sieg auch die Frage der Berufe ihre richtige Antwort finden wird. Es ist hier nicht zu untersuchen, welche Parteien und Bewegungen mit Recht den Anspruch erheben können, solche Gewähr zu bieten: die Jugend, die an solchen Strömungen teilnimmt, tut ihren Teil zur Bewältigung dieses, ihres Problems. Die Verschiebung der Lösung eines brennenden Gegenwartsproblems beinahe ans Ende der "Tage kann freilich nicht das letzte Wort sein, das die Jugend zu hören ein Recht hat. Sie möchte direkter wirken, sie will nicht die Erledigung einer persönlichen Angelegenheit knüpfen an die für spätere Zukunft vorzubereitende Ordnung der allgemeinen Sache. Sie möchte am liebsten gleich für sich endgültig lösen und keine Halbheit. Und dennoch ist es unmöglich. Nur jene können es tun, die bereit sind, jene radikale Antwort zu geben: Wir wählen die Gefahr uns im sogenannten Leben untüchtig zu erweisen. Wir sind entschlossen zu handeln wie wir müssen, unbeirrt davon wieviel wir »verdienen« werden. Wir wählen unseren Beruf nach unseren Fähigkeiten, nach unserer inneren Berufung, nach den Erfordernissen unseres Volkes. Die Berufswahl sei die letzte Tat unserer Jugend, nicht die erste unseres Philisteriums. Unbezweifelbar,. auch diese werden nicht frei bleiben von Konzessionen und Kompromissen, auch sie werden oft Schiffbruch erleiden in wesentlicheren Belangen als der wirtschaftliche Erfolg ist. Aber hier kommt es zunächst auf die Einstellung an,- darauf, daß der beste Teil der Jugend sich radikal abwendet vom Götzen des Verdienens, der bequemen bürgerlichen Lebensführung, des »Emsts des Lebens« und des wirtschaftlichen Erfolges. Und darauf kommt es an, daß diese Abkehr nicht ihren Ausdruck findet in Reden und Aufsätzen, sondern in der entscheidenden Stunde der Berufswahl, des Eintritts in das Wirtschaftsleben. Diese allgemeine Einstellung zum Berufswahlproblem ist das, was der jüdischen Jugend insbesondere not tut. Uns muß es ganz besonders darauf ankommen, wachsam zu sein, daß die neu entstehende jüdische Gesellschaft in Palästina vom Anbeginn so aufgerichtet werde, daß die tiefsten sozialen und kulturellen Schäden der europäischen ein für allemal ver* hindert werden. Nie aber kann das geschehen, wenn nicht die Jugend, das Gewissen der Menschheit, —- wie ein deutscher Denker sie nennt mit ernster Entschlossenheit alles wagt, sich treu zu erhalten, alles — auch Hoffnung auf Karriere und Wohlhabenheit. Soweit eine solche Jugend sich verpflichtet fühlt ihr Leben und Wirken aus der bisherigen Heimat nach Erez Israel zu verpflanzen, wird sie nicht als erste Frage stellen: Wie werde ich dort weiterkommen? Wie viel kann ich dort verdienen? Sondern als einzige: Was verlangt mein Volk von mir? Welche Arbeiten muß es getan wissen? Was davon werde ich am besten zu leisten vermögen? Gewiß, es bleiben noch viele Schwierigkeiten <es soll von diesen konkreten Einzelheiten in einem nächsten Aufsatz ausführlich die Rede sein), aber sie sind zu überwinden, sie sind von verhältnismäßiger Geringfügigkeit, wenn nur in der Seele der Jugend der Damm des Eigennutzes, der Bürgerlich*