Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 113 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berufswahl. 113 und geistiger Selbstbehauptung einerseits oder Armut (um es kurz mit einem Wort zu nennen) auf der anderen Seite. Und nicht das kann die Sorge für den jungen Menschen sein, der als Mensch hinfort leben möchte, ob er Arzt, Kaufmann, Landwirt, Maler oder Minister werden soll, sondern ganz allgemein, ob er es vermögen wird einerlei für welchen Beruf er sich entscheiden mag ~- um seiner Überzeugungen willen in Armut, wenigstens in Kärglichkeit zu leben oder in ständiger Bereitschaft alles Erworbene: Vermögen, Ansehen, Stellung wegzuwerfen für ein Höheres. So steht die Frage; Will ich reichlich Geld verdienen? Will ich etwas werden? Oder will ich wirken, will ich etwas sein? Bejaht einer die erste Frage, so ist es für die Bewertung dieser Antwort völlig gleichgültig ob er zugleich mit den materiellen Hoffnungen die Durchs Setzung irgend weldier Ideen, die Auswirkung irgend einer Art Seins, die Befriedigung irgendwelcher Neigungen erwartet. Er wird gewiß entweder in jenem oder in diesem Schiffbruch erleiden,- wo aber nicht, so ist die eigentliche Entscheidung doch nur verschoben, statt daß sie am Anfang der Berufstätigkeit steht, so wird sie sich in deren Verlauf einmal einstellen. Irgendwann wird er doch vor der Frage stehen, auf welches von den Beiden er zu verzichten innerlich iähig ist. So zugespitzt sind die Dinge heute, daß es nur mehr ein Entweder-Oder gibt. Vielleicht ist die Zahl der jungen Menschen nicht allzu groß, die solche Problematik deutlich empfinden und sind jene in der Überzahl, die noch im Unklaren bleibend über die Tiefe der Sache, abwägen ob Juristerei oder Malerei ihren Neigungen, Fähigkeiten oder sozialen und materiellen Anforderungen besser entspricht. Vielleicht ist diese Frage also in diesem Sinne gar kein Jugendproblem. Aber auf jeden Fall ist sie eine Kultur^ frage von höchster Bedeutung. Die Verstrickung der Berufe in das ganze Netz der Wirkungen der jetzigen Gesellschaftsordnung und Wirtschafte struktur, die restlose Einfügung auch der geistigen Arbeit in diese Folgen,- die Tatsache, daß die Alternative häufig ganz allen Ernstes formuliert ist: restlose Anpassung an den heutigen Geist oder Tod durch Verhungern und seelisches Auftreiben, sind Symptom und Ursache zugleich eines höchst bedenklichen Zustandes, einer geistig verfallenden Welt, mitten in uner^ hörtem wirtschaftlichen und technischen Aufschwung. Wenn notwendiger^ weise jede Jugend mit all ihrem Neuen, all ihren Möglichkeiten durch die Berührung mit der Wirtschaft — die sie ja auf alle Fälle herbeiführen muß — gebrochen und auf das Niveau der jetzigen Generation zurückgeworfen wird, die ihre Unfähigkeit zur Beherrschung der Wirtschaft bewiesen hat, so ist jede Erneuerung, jede Vertiefung der Kultur für immer ausgeschlossen, ja sie ist aufs Ernsteste überhaupt in Frage gestellt. Man kann daher die kulturelle und soziale Frage so wenig ohne die Berufsfrage betrachten, als umgekehrt diese isoliert von jener. Daher ist das Problem der Berufswahl, wie es hier verstanden wurde, | nur durch Methoden zu lösen, die aufs Ganze der jetzigen gesellschaftlichen J Ordnung und jetzigen Verfassung gehen. Bewegungen, die darnach gerichtet sind, die Menschheit aus der Sklaverei der Wirtschaft zu befreien, und sie zu dem zu machen was sie allein sein dürfte, ein Werkzeug in der Hand