Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 108 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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108 Rudolf Glanz: Die Wirtschaftsideale im Kampfe um das jüdische Gemeinwesen. verzichten auf das, was andere neben ihm genießen. Und es erscheint ihm nicht mehr wesensfremd, im Kreislauf der Wirtschaft für fremde Bedürfnisse zu arbeiten, wenn er nur seine eigenen erkannt hat. So ist die erste Möglichkeit einer Umspannung der wirtschaftlichen Welt mit dem Begriff Arbeit gegeben. Die Ethik setzt da ein, wo die Pflicht zur Arbeit festgestellt wird. Wo jeder Mensch nach seinem Bedürfnisstand zu anderen Arbeiten bestimmt wird, wo der Geistarbeiter kein Luxus* geschöpf in der Wirtschaft mehr ist, das fremde Arbeit mit seinen Bedürfnissen aufzehrt. Nur eine starke Erziehungspolitik, die von der neuen Wirtschaftsgeneration selbst ausgeht, kann die Religion der Arbeit bringen. Den Begriff der Pflicht zur Arbeit in den Seelen verankern, das Entbehren in der Bedürfnisbefriedigung begreiflich machen. Eine leidenschaftliche Wirtschaftspolitik, die die Produktionen zentral regelt nach den Stand der jeweiligen Bedürfnisordnung, die es nicht zugibt, daß die Luxusproduktion ihren den wahren Bedürfnisstand verdunkelnde Höhe erreicht, kann die Religion der Arbeit in der Jugend lebendig erhalten. Haben wir nun das Fundament jeder Wirtschaftsmoral, die Arbeit, lebendig in unseren Geist, so wächst das übrige organisch heraus. Kapitalismus ist nicht mehr der Glaube, daß Geld unter allen Umständen einen Erfolg erzielt, wenn auch nur den kleinsten durch die Kapitalsrente, sondern wir erblicken im Kapitalismus das Prinzip der Auslese unter Arbeitsmöglichkeiten der Menschheit, die gesammelten Arbeitsreserven der Volkswirtschaft dort einzusetzen, wo der größte Erfolg winkt. Nur der Arbeitsstaat kann Unternehmer sein in denjenigen Produktionen, die er aus der Kraft seiner Menschen ausführen kann, nicht durch Erschließung seines wirtschaftlichen Fundus durch das Weltkapital. In immer stürmischerem Schritt muß der Staat dem Bedürfnisstand seiner Menschen folgen, was allgemeines Bedürfnis ist, muß gemeinsam produziert werden, nur die Produktionen, die den gegenwärtigen Bedürfnisstand der Allgemeinheit vorauseilen, müssen völlig bedingungslos der privaten Initiative überlassen werden. Das Ideal der Produktionsfreiheit geht gestärkt aus dem Kampf der wirtschaftlichen Meinungen hervor, aber es ist dadurch, daß es nur in den Produktionen sich betätigen kann, die noch nicht dem allgemeinen Bedürfnisstand entsprechen, auf wahre, bahnbrechende Kulturtaten ver* wiesen, nicht auf elende, wertvernichtende Luxusproduktion. Den Umfang der Produktion zur Allgemeinheit auszudehnen, ist allein der -Gemeinschaft vorbehalten, durch die Einzelnen dürfen nur Einzeilgüter hervorgebracht werden. Nur wahre Kulturgüter sind so möglich, die die werdenden Bedürfnisse erkennen und ihnen zum Durchbruch verhelfen, In jedem schöpferischen Gedanken sehen wir so den jüdischen Menschen angefochten, umstürmt von allen leidenschaftlichen Ideengestaltungen der Menschheit. Sie dringen auf ihn ein, erwählen seine Gemeinschaft zum Kampfboden, aus dem der neue, fruchtbare Gedanke als Sieger und Schöpfer aufsteigen soll. — In dieser ungeheuren Weltumbrandung stehen wir mit unserem G^ist und unserem Blut, willens, mit unserer Kraft dem jüdischen Geist einen Körper zu. bauen. Von uns weichen alle