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Jerubbaal · 1918-06-01 · 3 (6.1918) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
3 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
Seite 107 (sequence 25)
Language
German
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Die Wirtscfialtsideale im Kampfe um das jüdisdie Gemeinwesen. 107 da sehen wir nun schon zwei jüdische Wirtschaftsideale aus der Diaspora übernommen, praktische Berufs fr eiheit in der Möglichkeit des Auf- und Niedersteigens der Mensehen zu den Berufen und objektive Lern^ fr eiheit, nicht in philosophischem Sinn einer Willensfreiheit des Menschen, zu jeder Erkenntnis zu gelangen, sondern ein sozialer Zustand, in dem die individuellen Kräfte des Einzelnen sich soweit zeigen können, um seine wirtschaftliche Zugehörigkeit zu bestimmen. Wesentlich erhabener, tiefer den Kern metaphysischer Gestaltungskraft des Menschen berührend, sind die neuschöpferischen Ideale, die die Wirtschaft von den einzelnen empfangen hat, die sich nun ein Leben erringen, eine Wirtschaft aufbauen sollen. Es ist eine neue wirtschaftliche Kultur, die nur von der Jugend ausgehen kann, die das Land sich erarbeitet. Diese Jugend muß für die Wirtschaftsideale der europäischen Gedankenwelt eine syntetische Einheit finden, aus Kraft zum neuen Wirtschaftsleben gelangen, ohne das Opfer von Ideen zu werden, ohne an ihnen zu verbluten. Die neue Wirtschaftsgemeinschaft darf kein Ideenkonglomerat vor Augen haben, in dem die einzelnen Wirtschaftsgedanken unorganisch miteinander verbunden sind. Ober alle Berufsschichtung hinweg, über alle feine Differenzierung der Wirtschaft nach Bedürfnissen und Produktionen muß eine neue Ethik Gedankenwerte schaffen, die allen Menschen als Wirtschaftssubjekten gleich heilig sind. Ohne eine solche religiöse Bewertung einzelner Wirtschaftsgedanken ist eine lebendige Gemeinschaft unmöglich. Wir fragen, was kann religiöser Grundgedanke in den allen werden? Es gibt nur eine Antwort darauf: Die Arbeit. Die Arbeit ist das einzige, woran der Mensch praktisch glauben gelernt hat von der ersten Stufe seines bewußten Kindheitslebens an. Sie ist das Einzige, das er als bewegend empfindet, fern von jeder Leidenschaft, Lust und Unlust, liegt ihm der Sinn der Arbeit, die Weltbewegung zu erzeugen, klar auf der Hand. Der Mensch spricht diesen Sinn ehrfurchtsvoll aus, allerdings, leidenschaftslos sagt sich der Mensch unseres Jahrhunderts, daß seiner Arbeit der Weltsinn nicht zuteil werden kann, weil er die erzeugende Bewegung seiner Arbeit lür sein individuelles Leben meist nicht fruchtbar machen kann. Die Arbeit in ihrer heutigen Gestalt empört die Mensehen, ihr Gemeinschaftssinn kann nicht empfunden werden, sie ist den ehrlich Denkenden heute eine ebensolche Schande wie etwa die Armut. Der Anblick, den der Mensch des 20. Jahrhunderts von der Arbeit gewinnt, ist der, daß er immer nur für die höheren Bedürfnisse der anderen arbeitet, nie für seine höchsten, eigenen. Erst in einer völligen Gemeinschaftserziehung der jungen Generation kann das Individuum seine eigenen Bedürfnisse, das höchste Maß derselben kennen lernen. Es scheiden sodann aus seinem Bedürfnisstand alle bloß vermuteten Bedürfnisse, die es am Innern nie hat erproben können, aus, es erkennt vielleicht, in einer guten Erziehung sicherlich, die höheren Bedürfnisse der andern an, es reiht sich ihm das Bild menschlicher Bedürfnisse zu einer festen Ordnung, in der es seinen eigenen Platz klar erkennt. Der Mensch lernt so zum erstenmal klaren ruhigen Herzens

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