Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 105 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Wirtsdiaftsideaie im Kampfe um das jüdische Gemeinwesen. 105 individuellen Kräften der jüdischen Menschen sich eine neue Einheit erringen wird. Sicher ist, daß die ganze Welt auf das blicken muß, was in unseren Händen wird, denn der Aufbau der ersten Wirtschaftsgemein^ schaft vollzieht sicfi da, die historisch so weit ist aus gemeinsamen Willen, um bewußter Werte willen, wirtschaften zu wollen. Und wie das Auge der Menschheit uns prüfen und richten wird, ist uns ebenso bewußt. Die sozial schöpferischen Individuen, unter ihnen so viele, viele Juden, haben der Menschheit alle ihre Wirtschaftsideale als klar bestimmte Ziele hingestellt und da drüben, von jedem solchen Ziel, winkt es zu uns herüber: Kommt, gehet uns nach, es ist der wahre Weg! Und die jüdischen Menschen in all ihren geistigen Leidenschaften, reif geworden im Kampf um Ideen, werden den Kampf der Wirtschaftsideale auf das entstehende jüdische Gemeinwesen nicht nur übertragen, sie werden ihn objektivieren, intensivieren, weil wir eben als erste Volkswirtschaftsgemeinschaft vor aller Welt zu kämpfen und verantwortlich zu sein haben. Dazu kommt noch die Überfülle sozial-schöpferischer Individuen, die in der jüdischen Gemeinschaft Taten vollbringen wollen und die vollständige Zerrüttung in der sozialen Struktur des Diasporajudentums. Es ist kein Berufsstand da, auf dem sich die soziale Schichtung aufführen ließe, der eigentliche Nährstand der jüdischen Wirtschaft, die Bauernschaft, soll erst geschaffen werden, und das alles aus wirtschaftlichen Kräften, die schon so weit, weit von dem Nährstand sich physisch fortentwickelt haben. Das Ideal der jüdischen Wirtschaft scheint so fürs erste ein ebenso uneinheitliches Gebilde zu werden, in dem sich tausendfache Standesideale von Wirtschaftsstufen, die erst zu einer neuen Einheit zusammengeschweißt werden müssen, mit den Ideen sozial schöpferischer Individuen zusammen mühen und ringen, um die jüdische Wirtschaft zu gestalten. Verlassen wir das Gebiet dieses ersten primitiven Kampfes, in dem alle Instinkte der morschen Judenheit, die unsere neue Wirtschaft gefährden könnten, nach ihrem letzten Streit feiern werden. Lösen wir aus dem Wirtschaftsbild der Diasporajudenheit die wenigen Idealkräfte, mit denen wir in der neuen Wirtschaft aufbauen können und übertragen wir sie in das neue Gebild. Mir scheint da hauptsächlich ein Gedanke zu sein, dem die wirtschaftliche Zukunft der Judenheit gehört, den wir in der neuen jüdischen Wirtschaft zum Grundgedanken erheben wollen, es ist die Unabgeschlossenheit der Berufsstände, die die Diasporajudenheit sich errungen hat, die Möglichkeit der einzelnen Berufsstände, sich gegenseitig zu durchdringen, zum andern Stand aufzusteigen und wieder zu sinken. Namentlich die grandiose Freiheit im Aufsteigen zu den geistigen Berufen birgt Lebenswerte, die in der jüdischen Wirtschaft gestaltend werden müssen. Von allem Anbeginn an muß die faktische Freiheit der Berufsstände gegeneinander, die Möglichkeit der gegenseitigen Befruchtung und Durchdringung gewahrt bleiben. Unser schöpferischer Geist soll uns die Wege zeigen, die wirtschaftliche Auslese zu verwirklichen, in der die Individuen zu den einzelnen Berufs-