Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 104 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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104 Rudolf Glanz: er wird deshalb nodi kein Zionist sein. Palästinaarbeit ist ein Wort für Nichtzionisten. Für die, die hier und dort und auch in Palästina »für die Juden« arbeiten. Palästinaarbeit ist kein Wort für Zionisten, die überall und mit allem, was sie tun, einzig und allein Zion erbauen, nicht für die Juden, sondern für sich selbst. Adolf Böhm. DieWirtsdiaftsideale im Kampfe um das jüdische Gemein^ wesen. Wir jüdischen Menschen wollen eine Lebensschöpfung, in der aus all unserer menschlichen Not Vollkommenheit aufsteigt. Wo das Leben häßlich, grausam, ungerecht gegen uns war, soll die Lichtfülle neuer Menschlich^ keit, unsere Gestaltungskraft die Schatten* verdrängen und klare, sinn^ erfüllte Gebilde erstehen lassen. Raum und Ausbreitung für den neuen jüdischen Menschen in allen Lebenskreisen, Freiheit und Befreiung für den jüdischen Willen in Menschheits- und Geistesgesdiidite. Wir wollen eine Gemeinschaft aufrichten, in der der jüdische Wille seine Vollkommenheit in aller Berührung mit den Kampffragen der Menschheit erringen kann. Die Not der Menschheit, in der wir Einzelne stehen, muß der Prüfstein für den jüdischen Willen werden. Kraft und Geist dürfen uns nicht nur Symbole sein, mit denen wir uns aus der leidenden Mensch* heit flüchten, sie müssen das Daseinsinnere unserer Gemeinschaft werden, in der wir den jüdischen Willen frei und vollkommen aufrichten wollen. Tausendfach, schwergestaltig, drückt die Last wirtschaftlicher Gebilde auf den entwickelten Seelenmensäen des 20. Jahrhunderts, alle Metaphysik in ihrem Streben nach Grundeinheit, alle geistige Technik mit ihrem Willen nach Umspannung der Welt durch das Individuum hat die Last der Welt, die auf dem Einzelnen ruht, nicht erleichtern können. So oft der Mensch darangeht, in Sinn und Mystik, in Wissenschaft und Kunst, das Leben zu einen, stemmt sich ihm eine bedrohliche Macht entgegen, die in ihrer Finsternis alles Licht, das Menschen über die Welt bringen können, ver* hüllt, die Wirtschaft. Die Wirtschaft ist der wahre Druck der Welt auf den Einzelnen und er ist um so unausweichlicher, weil er kein wahres Leid erzeugt, gegen das der Heroismus der Menschheit aufrauschen könnte, es ist vielmehr das langsame Zerreiben der mühselig errungenen geistigen Werte im einzelnen Menschen, das die Not der Wirtschaft, der ganze mechanische, materielle Drück des Wirtschaftsprozesses auf den Geist bewirkt. Und darum hat die Menschheit ihr bis jetzt auch noch nicht mit Metaphysik begegnen können. Tausende von Philosophemen enthalten Tröstung für alles menschliche Leid, mit seiner Rolle als Wirtschaftssubjekt aber hat sich der Mensch noch nicht aussöhnen können. In unserer neuen jüdischen Gemeinschaft soll eine Wirtschaft von Grund auf neu aufgebaut werden. Die jüdischen Menschen entfacht ein neuer, bisher unbekannter Idealismus, sie wollen wirtschaften miteinander im Vertrauen auf die Kraft des jüdischen Geistes, der aus Wirtschaft und