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Jerubbaal · 1918-06-01 · 3 (6.1918) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
3 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
Seite 103 (sequence 21)
Language
German
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»PalästinaarSeit« 103 aus Liebe zum Volke Golutharbeit betreibt —' und nur eine von dieser Liebe geleitete Arbeit, also nur die zionistische Golutharbeit kann Sinn haben — kann das nur tun, weil er an die jüdische Zukunft, an Zion glaubt. Ohne diesen Glauben hat das volkliche Sein der Juden für ihn keine Zukunft. Deshalb die Erscheinung, daß nur Zionisten im Goluth wahre Volksarbeit leisten. Nicht dagegen sprechen wir, daß dies geschehe! Wir selbst tun mit. Aber wogegen wir nicht nur reden, nein, wogegen wir eifern, ist, daß durch die Golutharbeit die zionistische Seele erfüllt werde mit Wahnvorstellungen von den berühmten »Möglichkeiten« des Goluth, mit dem gefährlichen Respekt vor den »Gegebenheiten«, mit der Anbetung des »Geschichtsgewordenen«, mit der beruhigenden Gewißheit, daß es das jüdische Volk in seiner Größe noch oder schon gebe. Wo dies geschieht, hört der Zionismus auf. Denn Zionismus heißt nicht einfach, jüdisches Volkstum bejahen und ihm eine Heimstätte errichten wollen, im Sinne des Hinzu fügen s eines zu dem heutigen Bestände noch Fehlenden. Dies ist vielmehr gerade die unrichtige und gefährliche Auffassung des Zionismus, die immer wieder die »Palästinaarbeit« den anderen Arbeiten des jüdischen Volkspolitikers koordiniert, sie, wie dies auch seitens eines geschätzten Theoretikers geschehen ist, als die »äußere Politik« des jüdischen Volkes bezeichnet. Zionismus heißt vielmehr, das jüdische Volkstum wieder aufbauen, der jüdischen Volkskraft das Entfalten sichern *-* das Entfalten nicht im verkümmernden Rahmen einer Drittel* und Viertelselbständigkeit, sondern in einer Möglichkeit freien Auswirkens. Der jüdische Geist muß sich erst wieder seinen Körper bauen. Bauen kann man aber nicht auf schwank kendem Grund, unter der Notwendigkeit, sich überall nur durchzwängen zu können, wo fremdes Bauwerk es gerade noch erlaubt und nur in irgend einem Stockwerk dieses von fremden Bauherrn errichteten Gebäudes. Grund und Grundriß müssen eigen sein. Jahrhundertelang waren wir Mietparteien, sehr ungern geduldete und immer wieder gekündigte, nun wollen wir das eigene Haus bauen. Das eigene Haus nach eigenem Plan. Wir wollen nicht die stolzen Bauwerke der anderen kopieren mit ihrer glanzvollen äußeren Fassade und ihrer jammervollen inneren Einteilung in wenige Prunkzimmer und viele Klassenquartiere. Wer sich in diesen heimisch fühlt oder wer diese nur verbessern will, der kann kein inneres Interesse an dem von uns gewollten Neubau haben. Zion oder Goluth —* es gilt nicht, sie zu koordinieren, sondern zwischen ihnen zu wählen. Wohl wird auch der, der Zion gewählt hat, sehen, wie er die jüdische Wohnung im Goluth sanieren kann, aber er wird nicht glauben, daß er die Macht habe, sie restlos nach seinem Ideal zu gestalten. Er wird deshalb all denen, die dies glauben, sagen müssen: Ihr seid keine Zionisten mehr! Denn für den Zionisten haben alle Wege nach Zion zu führen. Es gibt für ihn keine besondere »Palästinaarbeit«. Entweder ist alles, was er tut, auch die Golutharbeit, auf Zion ausgerichtet, und daher Palästina^ arbeit, oder nicht. Dann mag er sich auch an der Palästinaarbeit beteiligen, 8*

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