Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 102 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Adolf Böhm: »Palästinaarbeit.« Es muß einmal aufgeräumt werden mit dem Unfug dieses Wortes. Es wurde geprägt, als wir den Charterismus bekämpften: die Vorstellung, die Zionisten dürften in Palästina nidits tun, bis sie nicht den Charter, die öffentlich-rechtlichen Sicherheiten, für ihre künftige Siedlung erlangt hätten. Damals erkannten wir, daß irgend welche politischen Erfolge erst dann zu erwarten wären, wenn wir uns schon eine Position in Palästina geschaffen haben würden, auf die wir uns bei Verhandlungen stützen könnten, und daß wir selbst mit einem Charter nichts anzufangen wüßten, wenn nicht vorher in ausreichender Vorarbeit die Grundlagen für einen Aufbau in größerem Stil gelegt sein würden. »Praktische Palästinaarbeit« wurde unser Schlachtruf. Aber kaum waren durch diese Arbeit der zionistischen Organisation Ansätze zu einem frischen jüdischen Leben in Palästina geschaffen, als das bißchen Erreichte schon zu einer Einschläferung des zionistischen Gewissens führte. Die »Palästinaarbeit« war Sache der Fachleute geworden. Daneben gab es da und dort Zionisten, die sich »speziell« für Palästina »interes^ sierten«, auf die die Referate abgeschoben werden konnten und deren Vorschläge, Resolutionen, Anträge etc. glatt angenommen wurden, da die andern Zionisten sich in den Palästinafragen als nicht kompetent fühlten. So war es und blieb es bis heute! Ja, noch mehr! In jüngster Zeit, als sich immer mehr Stimmen erhoben,- welche die einfache Wahrheit verkündeten, daß Palästina kein SpeziaU gebiet innerhalb des zionistischen Gedankenkreises sei, sondern Zionismus nichts heiße, als Zion anfbauen, daß dies nicht eine, sondern die Aufgabe der Zionisten sei,- — da wurden wir hart angefahren! Man dürfe die zionistische Aktivität nicht auf einen Punkt beschränken wollen, der Zionismus dürfe nicht zu einer bloßen Palästinapartei herabsinken. — Die »Palästinaarbeit« sei zwar eine wichtige Aufgabe der Zionisten, aber ebenso wichtig sei die Golutharbeit u. a. m. Die Palästinaarbeit! So haben wir wieder dieses unselige Wort, mit dem Zionisten so hübsch die Tätigkeitgebiete des Zionismus koordinieren und synthetisieren, mit dem sie sich loskaufen von dem Ursinn der zioni^ stischen Einstellung, der jüdischen Psyche. Wir wollen damit aufräumen! Wir wollen den Zionisten wieder vom Zionismus reden, das heißt vom Willen zum Aufbau, zur Erneuerung, zum Gestalten des Jüdischen, von Zion. Unsere Arbeit für Zion trägt nicht die Etikette: Palästinaarbeit sie bedeutet, daß wir deshalb Zion bauen wollen, weil wir das Goluth nicht aushalten können ohne die Hoffnung auf ein Leben innerhalb eines wahrhaft jüdischen Gemeinwesens. Was nützte uns alle Golutharbeit, die etwas anderes wäre, als Mittel dazu? Zionist sein und Golutharbeit als Selbstzweck betreiben, »da doch das Gros unseres Volkes noch lange im Goluth verbleiben wird«, ist ein unmöglicher Widerspruch. Wer Jude sein nicht auffaßt als Verpflichtung, es rein von allen Schlacken wieder in Erscheinung zu bringen — was im Goluth nie möglich sein kann —' der nenne sich nicht Zionist. Der