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Jerubbaal · 1918-06-01 · 3 (6.1918) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
3 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
Seite 95 (sequence 13)
Language
German
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Jung^Juda. 95 »Wenn man den Brauch in dieser Weise ansieht, oder auch wenn man ihn ansieht, als das umgewandelte magische Sich-Bewegen nadi gottgewollten Rhythmen, dann muß man eine schärfere Sdieidung als 3ies geschehen ist, machen zwischen Brauch und Gebräuchen. Brauch ist dann eine Einheit religiösen Ausdrucks, der unbedingte Heiligkeit zukommt. Die einzelnen Gebräuche aber sind nur seine wandlungsfähigen Elemente.« »Wenn es gut wäre, zwischen Brauch, Gebräuchen und Gesetz zu scheiden, dann hätten die Rabbinijm, die uns durdh den Talmud die Lehre übermittelt haben, das ebensogut gewußt, wie ihr das jetzt zu wissen glaubt. Auf sie verlasse ich mich lieber, als auf euren und selbst auf meinen Verstand. Sie wollen aber nichts, als die Befolgung der Gebote und Verbote und in weiteres Klären darüber kann man sich darum nicht einlassen.« »Eben diese übereifrigen Rabbinijm, die Brauch, Gebräuche und Gesetze zusammengeworfen haben und damit den Bestand der Religion schützen wollten, machen im gegenwärtigen Zeitpunkt eine normale Bin^ Stellung in die Religion als Volksbesitz, als das eigentliche Volkstum unmöglich. Gegen die Einsicht kann kein gemeinsamer Dienst bestehen und selbst der Gott-hingegebensten Einsicht scheidet sich Brauch von Gebrauch und Gesetz.« »Als der wesentlichste Gehalt der jüdischen Religion wurde angegeben, daß sich der einzelne Mensch verwoben mit allem Geschehen und o rganis ch in die Welt eingefügt findet. Woher finden Sie gerade das als den wesentlichsten Gehalt?« »»Ich gebe gerne zu, daß dies geradezu im Geiste Spinozas, und bewußt im Geiste Spinozas von mir gesagt wurde.«« »Von vornherein, wenn man einen Satz beginnen hört mit: der wesent^ lichste Gehalt der jüdischen Religion ist: ... so kann man wissen, daß nun nur etwas Falsches, irgend eine Verzerrung folgen wird. Es ist das die Form der jugendlichsten Denkungsart, der der frei ausschauende Blick auch die umfassende Betrachtung ist, weil er ihr besser taugt als die umfassende Betrachtung. Immerhin hätte der Referent uns wenigstens das so sagen sollen: Der wesentlichste Gehalt der jüdischen Religion ist die volle Verantwortung für alles Weltgeschehen, das der einzelne Mensch dadurch erhält, daß er durch sie jederzeit einer zentralen Stellung innere halb der Welt fähig ist. Damit wird er auch mitverantwortlich für die Handlungen Gottes und dessen Schöpfungsakt. Des weiteren meinen Sie, »nur der ungewohnte Klang kann hindern zu sagen: Haschern sei die Welt.« Nein, ungewohnt ist dieser Klang nun gerade nicht, eher abge^ droschen .und durch seine Weite meist leer bleibend. Damit allein, daß Haschern die Welt sei, ist nämlich noch gar nicht viel gesagt. Sagten Sie doch selber im weiteren, daß es nicht darauf ankommen könne, wie Gott sich seiner als das Universum bewußt werde, sondern im wesentlichen kommt es darauf an, wie Sie ja selber sagen, wie wir uns Gottes bewußt werden. Gottes als der eigenen Ichheit und Ich als Gottes Eigenheit,

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