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Jerubbaal · 1918-06-01 · 3 (6.1918) · p. Seite 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
3 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
Seite 90 (sequence 8)
Language
German
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90 Siegfried Lehmann: gefunden hat. In den Ferien kommen die Mitglieder und Freunde der Jugendgemeinschaft in dem Dorfe, in dem das Landheim liegt, zusammen und verbringen hier im Dorfe wohnend gemeinsam die Ferien. Hier werden in der jüdischen Ferienhochschule die Führer der Jugend über alle Gebiete des Judentums lehren. Sozialismus und palästinensisches Wirtschaftsleben werden in dem Lehrplan enthalten sein, Vorlesungen über Philosophie, Kunst und Musik. In einer jüdischen Frauenschule und in einem Kindergärtnerinnenseminar werden die späteren Helfer in den »Settlements« ihre Ausbildung erhalten. In einem jüdischen pädagogischen Seminar werden sich die Jugendfährer aus den verschiedenen Jugendbünden zusammenfinden. Hier in der Ferien* Siedlung erhält das vom Katheder gesprochene Wort eine andere Bedeu^ tung durch den engen Zusammenhang, der den Lehrer mit seinen Schülern im gemeinsamen Leben in der Siedlung verbindet. Eine schöne Form der Geselligkeit, Musikfeste, Sportfeste werden zum Gemeinschafts* leben in der Siedlung gehören. <In Amerika verdienen sich die unbemittelten Studenten ihren Unterhalt während dieser Zeit, indem sie in den Dienst der wohlhabenden Familien als Kutscher, Kellner oder Bediente etc. treten.) Diejenigen unter der Jugend, die später als Mitglieder die Hechaluzbewegung in die palästinensischen Kolonien gehen oder als Helfer in den »Settlements« <s. unten) die Jugend zur Freude am Garten* und Ackerbau erziehen wollen, werden in der »Jugendfarm« ihre Aus* bildung erhalten, zuerst als Volksschüler, Gymnasiasten, Studenten, in den Ferien oder später während des ganzen Jahres. Handwerkslehrstätten wären zum gleichen Zweck zu schaffen. Die Siedlung wäre auch der Ort der Schulgemeinde. Diese vorläufig nur in den Ferien bestehende Siedlung könnte später nach dem Projekt von Alfred Lemm zu der »Siedlung neben der Stadt« ausgebaut werden, einem Wohnort der nationalen Juden unserer Richtung, denen eine Abwanderung nach Palästina aus irgend welchen Gründen nicht möglich ist. IV. Die Jugendgemeinschaft und ihre Führer. Der die Jugend in der Gemeinschaft vereinende Geist tritt am reinsten in dem von der Gemeinschaft erwählten Führer in Erscheinung. Denn die Gemeinschaft, die, wie jedes organische Wesen, ein Zentrum, eine Seele hat, die alle Teile durchdringt, wird schöpferische Arbeit leisten können. Niemals können allein die in Büchern und Schriften niedergelegten Gedanken und Ideen die Menschen einer Gemeinschaft so erfüllen, daß eine wirkliche Einheit entsteht. Nicht das durch das Buch übertragene tote Wort, sondern das die Idee verwirklichende Leben des Führers, der unter der Gemeinschaft weilt, schmiedet zusammen. Dies ist das Wesen des Führers und seine Aufgabe in der Gemeinschaft, sich in unsre Seelen zu gießen, die Lebendiges mit Lebendigem und Form mit neuer Form vergelten. Grade, daß er nichts von sich gibt, alles uns herleiht, um es so verwandelt wiederzubekommen, und daß alles Seine ihm sodann

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